Luzerner Ambitionen
Benedikt von Peter ist Herr über ein Haus mit den Ausmaßen einer Puppenstube, aber er denkt gar nicht daran, deshalb kleine Brötchen zu backen. Seine Intendanz in Luzern hat bislang ein Theater produziert, das sich nicht einsperren lässt, sondern die Stadt konsequent in Besitz nimmt, sich einmischt und mit kühnen Ideen Gehör verschafft statt mit Krawall und Getöse.
Zu Beginn seiner Inszenierung von Schumanns «Faust-Szenen» versammelt er das Publikum vor der barock-imposanten Jesuitenkirche gleich nebenan und lässt ein Osterfeuer entzünden.
Unters wartende Volk mischen sich bald lemurenhafte Gestalten, auch die Kinder der Statisterie, Mädchenchor und Sängerknaben. Aschgrau, vampirhaft und ausgesprochen untot stehen sie um die Flammen, entrollen Transparente und stimmen den berührend einfachen Endenicher Choral an, den Robert Schumann noch in Dr. Richarz’ «Anstalt für Behandlung und Pflege von Gemütskranken und Irren» komponierte. Es ist ein Gebet um eine gute Sterbestunde. Mit einem Mal öffnet sich das Portal der Jesuitenkirche, von innen strahlt es hell wie bei einem Festgottesdienst, und weit weg, vorne im Chorraum, dirigiert Clemens Heil die Ouvertüre, die wie aus einer anderen ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Clemens Prokop
Glaubt man dem Klappentext, zeigt sich Benjamin Godard in seiner Dante-Oper «auf dem Gipfel melodischer Inspiration und kompositorischer Meisterschaft, in einem Stil, der Gounod erneuert und den Vergleich mit Massenet nicht zu scheuen braucht». Das sah die zeitgenössische Kritik anders. Camille Bellaigue zeterte: «Ihr, die ihr in die Opéra-Comique eintretet, lasst...
Schauplatz der Irritationen: die Oper Köln. Wieder einmal. Zwei Tage vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe schlagzeilte der «Kölner Stadt-Anzeiger»: «Ende der Harmonie – Zerwürfnis zwischen Intendantin Birgit Meyer und Generalmusikdirektor François-Xavier Roth». Roth habe, berichtet das Blatt, im Zuge der Verhandlungen um eine Verlängerung seines im Sommer 2020...
Wolfgang Borchert, der Literat der Stunde, formulierte es so: «Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist der Abgrund.» Borchert war 1921 geboren und traf unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg den Nerv der Zeit; «Trümmerliteratur» hat man das später genannt. «Draußen vor der Tür» heißt sein einziges Schauspiel, und es umreißt ein...
