Luzerner Ambitionen
Benedikt von Peter ist Herr über ein Haus mit den Ausmaßen einer Puppenstube, aber er denkt gar nicht daran, deshalb kleine Brötchen zu backen. Seine Intendanz in Luzern hat bislang ein Theater produziert, das sich nicht einsperren lässt, sondern die Stadt konsequent in Besitz nimmt, sich einmischt und mit kühnen Ideen Gehör verschafft statt mit Krawall und Getöse.
Zu Beginn seiner Inszenierung von Schumanns «Faust-Szenen» versammelt er das Publikum vor der barock-imposanten Jesuitenkirche gleich nebenan und lässt ein Osterfeuer entzünden.
Unters wartende Volk mischen sich bald lemurenhafte Gestalten, auch die Kinder der Statisterie, Mädchenchor und Sängerknaben. Aschgrau, vampirhaft und ausgesprochen untot stehen sie um die Flammen, entrollen Transparente und stimmen den berührend einfachen Endenicher Choral an, den Robert Schumann noch in Dr. Richarz’ «Anstalt für Behandlung und Pflege von Gemütskranken und Irren» komponierte. Es ist ein Gebet um eine gute Sterbestunde. Mit einem Mal öffnet sich das Portal der Jesuitenkirche, von innen strahlt es hell wie bei einem Festgottesdienst, und weit weg, vorne im Chorraum, dirigiert Clemens Heil die Ouvertüre, die wie aus einer anderen ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Clemens Prokop
Es lebt sich anscheinend nicht allzu unangenehm auf einer verlassenen Insel. Gut, einige Büschel getrockneter Gräser und etwas Tigerfell sind den Damen nach 13 einsamen Jahren über die Roben gewachsen. Aber das Unzivilisierte bleibt noch immer zivilisiert, ebenso wie sich Felsen und Wälder in geordneten Bahnen zur klassischen Gassenbühne staffeln. Wir sind...
So machen’s nicht alle, aber viele. Und natürlich nicht nur Frauen, weswegen der Titel «Così fan tutte» als genderpolitisch heikel gilt. Aber auch «Così fan tutti» würde nicht jede(n) befriedigen, ist doch das «i», das für alle Menschen steht, männlich. Eine Diskussion darüber wäre freilich heute obsolet, denn «Così» spiegelt, wie der Regisseur Joachim Herz einmal...
«Diese Bilderbuchkarrieren, gibt’s die überhaupt?», fragte Doris Soffel im Gespräch mit «Opernwelt» einmal (siehe OW 9-10/2015). Ihre Antwort: «Nein! Es gibt nur Zickzack.» Mit entwaffnender Offenheit sprach da eine Mezzosopranistin, die vom Koloraturfach kommt, ihren internationalen Durchbruch nach neun Stuttgarter Ensemblejahren als Sesto in Mozarts «Tito»...
