Love’s Labour’s Lost

Sir John auf Besuch in Sachsen: Dresden zeigt «Falstaff» als abgetakelten Rocker, in Leipzig erscheint er als Mann in den besten Jahren

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Wie ein warmer Sonnenstrahl liegt die Sopranstimme von Eleonora Buratto, der «Sängerin des Jahres», über Orchester und Gesangsensemble in Giuseppe Verdis Komödie «Falstaff». Einst war sie Nannetta, eine Teenagerin, die ihre erste große Liebe erlebt und sich den Heiratswünschen ihres Vaters widersetzt. In dieser Rolle wurde Buratto 2013 bei den Salzburger Festspielen als «echte Entdeckung» gefeiert.

Doch seit Riccardo Muti sie 2016 in einer konzertanten «Falstaff»-Aufführung in New York als Alice Ford vorstellte, ist ihr diese Partie ans Herz gewachsen: mütterlich-eheerfahren, einer erotischen Spielerei nicht abgeneigt. Eine Frau von Welt, die souverän alle Fäden in der Hand behält, genau weiß, wie weit sie gehen darf, und trotz des allgemeinen Geschnatters und Palavers ein Ruhepol bleibt. So jedenfalls erscheint sie auf der Bühne der Semperoper. Daniele Gatti, Dresdens neuer GMD, hatte sich Verdis letzte Oper zum Einstand gewünscht, nachdem sie dort 15 Jahre lang nicht mehr zu sehen war (bei Gatti spielt seine #MeToo-Vergangenheit seltsamerweise keine Rolle mehr, im Unterschied zu François-Xavier Roth, der kürzlich ebenfalls seinen zweiten Einstand als Chefdirigent des ...

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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Lotte Thaler und Volker Tarnow

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