Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Auf den Spuren von Beaumarchais: Die Uraufführung von Johanna Doderers «Der tollste Tag» am Münchner Gärtnerplatztheater zeigt Dauer-Power, Regensburg bringt John Coriglianos «The Ghosts of Versailles»: ein Heidenspaß

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Einer der beiden Figaros dreht völlig durch, erdrosselt den frauengeilen Chef mit der Peitsche, um danach zu fliehen. Und der andere? Findet sich plötzlich als Gehilfe seines eigenen Autors wieder, um der vor Jahren enthaupteten Marie Antoinette ein unmoralisches Angebot zu machen: Geschichte zurückdrehen, Kopf wieder dran, dafür soll sie ins Bett mit Komödiendichter Beaumarchais. Hier kraus verschrägte Theaterebenen, dort Abbiegung in den Mord – es spricht Bände, wie zwei bayerische Musiktheater mit dem Figaro-Stoff umgehen und ihn auf die Bühne bringen.

Am Gärtnerplatz ließ man sich «Der tollste Tag» schreiben. Komponistin Johanna Doderer, hier schon mit «Liliom» und «Schuberts Reise nach Atzenbrugg» beauftragt, lehnt sich dabei an Peter Turrinis gleichnamiges Schauspiel von 1972 an. Der wiederum bediente sich bei Mozarts «Figaro», raffte und ließ das fingierte Stelldichein Almavivas mit Susanna tödlich enden: Die Revolution beginnt quasi im Garten des Grafen. Was bei Turrinis Schauspiel noch Nachhall der 1968er war, wird im Klangkleid Doderers und in der Regie von Hausherr Josef E. Köpplinger zum gefälligen Aufruhr: Mozart meets «Les Misérables». Erneut überrascht, wie ...

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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Markus Thiel

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