Lindenblütenduft, gesungen
Offenbach – das ist selbst für Fachleute immer noch allein der Schöpfer des «Hoffmann» und der Offenbachiade, der satirischen Operette.
Erst allmählich dämmert es, dass sein neben vielem anderen über 110 Bühnenwerke verzeichnender Œuvre-Katalog (die zum Teil erheblich abweichenden Zweit- und Drittfassungen einzelner Werke nicht mitgezählt) von einer ungeahnten Vielfalt ist: von der melodramatischen Schauspielmusik über das Ballet Noble bis zur romantischen Oper, von der Posse über die Revue bis zur Opéra Comique, von der Parodie über patriotische Propaganda bis zum bürgerlichen Rührstück. Allein Breite und Qualität dieses Schaffens, das wie ein versunkener Kontinent langsam wieder ins Blickfeld gerät, rechtfertigt, ihn als bedeutendsten Musikdramatiker des 19. Jahrhunderts neben Wagner und Verdi zu stellen. Leider sind durch den Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009 zahlreiche unveröffentlichte Lebenszeugnisse und Partituren, darunter etliche Jugendopern, verloren. Ob für immer, lässt sich laut Auskunft der zuständigen Archivarin noch nicht sagen. Einiges ist immerhin auf Mikrofilm bewahrt. Opera Rara macht nun mit der 1869 komponierten Opéra Comique «Vert-Vert» («Kakadu») jenes Werk auf CD zugänglich, das sein deutscher Nachdichter Karl Kraus als den «Gipfel» der «musikalischen Märchenlandschaft» Offenbachs verehrte. Nicht ohne einzuschränken: «Vorläufig wenigstens: Denn hier kommt immer etwas Besseres nach.» ...
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