Eine wahre Geschichte
Die wahre Geschichte von Mukhtar Mai ist kaum auszuhalten. Weil ihr Bruder angeblich die Ehre einer mächtigen, reichen Familie verletzt hat, wurde sie von mehreren Männern vergewaltigt. Anstatt sich der Scham zu beugen, zeigte die Pakistanerin ihre Peiniger an. Damit war sie 2002 eine der ersten Frauen, die ein solches Verbrechen öffentlich anprangerten.
Die Wuppertaler Intendantin Rebekah Rota bringt solche gern tabuisierten Themen ohne den Mantel der Abstraktion auf den Spielplan – zurecht! Auch in Deutschland ist Vergewaltigung schwer zur Anzeige zu bringen – und stehen Opfer nach wie vor im Meineid-Verdacht der öffentlichen Meinung. In «Thumbprint» hat die Komponistin Kamala Sankaram Mukhtar Mais Geschichte vertont und das Unsagbare hörbar gemacht. Nur rhythmische Atemgeräusche erzählen von einem der schlimmsten Verbrechen, das einer Einzelperson zugefügt werden kann, in Wuppertal szenisch behutsam angedeutet und nicht zur Schau gestellt.
Der Rest von Sankarams Kammerstück ist allerdings befremdlich leicht. Das Publikum darf auf zwei gegenüberliegenden Tribünen auf der Bühne Platz nehmen. Auf dem Steg dazwischen entfaltet sich Mais Biographie episodisch in hindustanischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Anna Chernomordik
Dvořáks «Rusalka» ist ein heikles Werk, dessen Präsenz auf den Spielplänen wellenartigen Konjunkturen zu folgen scheint. Die letzte große Welle spülte vor 17 Jahren unterschiedlichste Fragestellungen an das Werk und Möglichkeiten seiner Deutung hoch: 2008 versuchte sich das Regieduo Jossi Wieler und Sergio Morabito in Salzburg an einem Balanceakt zwischen moderater...
Frau Lanzino, die Bildhauerin Louise Bourgeois vertrat entschieden die Meinung, Kunst handle vom Leben, während ihre Beinahe-Landsfrau, die Publizistin Susan Sontag überzeugt davon war, dass alle Kunst nicht mehr sei als Trompe-l’œil – Illusion, Lüge, Camouflage. Wer hat Recht?
Ich bin ein großer Fan von Susan Sontag, irgendwie halte ich es mehr mit ihr. Deswegen...
SRNKA: VOICE KILLER Musiktheater an der Wien
Edward J. Leonski war nicht zwingend das, was man einen schlechten Menschen nennt. Er hatte sich und seine Emotionen nur nicht im Griff. Während des Zweiten Weltkriegs war der Sohn russisch-polnischer Einwanderer, wie Tausende weitere junge US-amerikanische Soldaten, als GI in Melbourne stationiert, und sie alle...
