Eine wahre Geschichte

EINE WAHRE GESCHICHTE Sankaram: Thumbprint WUPPERTAL | OPER

Opernwelt - Logo

Die wahre Geschichte von Mukhtar Mai ist kaum auszuhalten. Weil ihr Bruder angeblich die Ehre einer mächtigen, reichen Familie verletzt hat, wurde sie von mehreren Männern vergewaltigt. Anstatt sich der Scham zu beugen, zeigte die Pakistanerin ihre Peiniger an. Damit war sie 2002 eine der ersten Frauen, die ein solches Verbrechen öffentlich anprangerten.

Die Wuppertaler Intendantin Rebekah Rota bringt solche gern tabuisierten Themen ohne den Mantel der Abstraktion auf den Spielplan – zurecht! Auch in Deutschland ist Vergewaltigung schwer zur Anzeige zu bringen – und stehen Opfer nach wie vor im Meineid-Verdacht der öffentlichen Meinung. In «Thumbprint» hat die Komponistin Kamala Sankaram Mukhtar Mais Geschichte vertont und das Unsagbare hörbar gemacht. Nur rhythmische Atemgeräusche erzählen von einem der schlimmsten Verbrechen, das einer Einzelperson zugefügt werden kann, in Wuppertal szenisch behutsam angedeutet und nicht zur Schau gestellt.

Der Rest von Sankarams Kammerstück ist allerdings befremdlich leicht. Das Publikum darf auf zwei gegenüberliegenden Tribünen auf der Bühne Platz nehmen. Auf dem Steg dazwischen entfaltet sich Mais Biographie episodisch in hindustanischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Anna Chernomordik

Weitere Beiträge
Editorial Opernwelt 8/25

Kaum jemand konnte seiner Traurigkeit und leisen Bestürzung über den Zustand des (weiblichen) Ichs im patriarchal-geteilten Deutschland nach 1945 so plastisch-poetisch Ausdruck verleihen wie die Schriftstellerin Brigitte Reimann. «Alles schmeckt nach Abschied», notierte sie einmal in ihrem Tagebuch, und betrachtet man das Leben dieser Künstlerin, klingt der Satz...

Lieder von Tag und Nacht

Als Gerard Mortier im Jahr 2002 die erste Ausgabe der Ruhrtriennale programmierte, war sofort klar, dass das zeitgenössische Musiktheater einen neuen Experimentierraum gefunden hat. Auf ehemaligen Industriegeländen, abseits der üblichen Institutionen, Opernhäuser oder Konzertsäle, setzt dieses Festival von Anfang an auf alle möglichen Querverbindungen zwischen...

Teufel, was für ein Lehrer!

Es gibt das Phänomen des mittelmäßigen Fußballers, der später ein überragender Trainer wird. Da darf man bestimmt Jürgen Klopp nennen, Thomas Tuchel und aus der jüngeren Generation Sebastian Hoeneß. Jorma Panula, der am 10. August seinen 95. Geburtstag feiert, hat als aktiver Dirigent nicht allzu viele bleibende Spuren hinterlassen (auch wenn es in den...