Liebesstürme
«Wer wärmt mich, wer liebt mich noch? Gebt heiße Hände! Gebt Herzens-Kohlenbecken!», klagt Ariadne in Nietzsches «Dionysos-Dithyramben» – Verse, mit denen Wolfgang Rihms Szenarie «Aria/Ariadne» aus dem Jahr 2001 beginnt. Um unerwiderte Liebe geht es auch in den beiden anderen Liedkompositionen der neuesten CD von Juliane Banse, Hans Werner Henzes «Nachtstücke und Arien» und Aribert Reimanns «Drei Gedichte der Sappho».
Rihms kleines Monodrama für Sopran und Kammerorchester durchmisst in einer für den Komponisten typischen Symbiose von Wort und Ton alle Bereiche des Ausdrucks, alle Emotionen einer Frau, die von Dionysos lieber gemartert, lieber zugrunde gerichtet als ungeliebt und verlassen sein will. Seine Rhetorik der Textbehandlung erinnert dabei von ferne an Monteverdis recitar cantando, denn sie beharrt auf einer Worttreue und Textverständlichkeit, die, im Vergleich zur Avantgarde, geradezu altmodisch anmutet. Das wird schlagartig deutlich im Kontrast mit Reimanns fast gleichzeitig entstandener Sappho-Vertonung in der Übertragung durch Walter Jens. Sapphos Sturm der Liebe, der ungestillt bleibt, kristallisiert sich hier in großen Intervallsprüngen und, vor allem im mittleren der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2017
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Uwe Schweikert
Lassen wir Jonas Kaufmann einfach mal in Ruhe. Der Mann steckt wahrscheinlich gerade in der heikelsten Phase seiner Laufbahn. Mehrere Monate musste er wegen eines Hämatoms auf den Stimmbändern pausieren. Bekanntlich sind Monate, in denen Sänger nicht auftreten dürfen, viel anstrengender als solche, in denen sie gut zu tun haben. Zur nervlichen Belastung und einem...
Es ist ein Rührstück, daran lässt Tatjana Gürbaca keinen Zweifel. Wenn Werther und Charlotte im vierten und letzten Akt doch noch zueinanderfinden, dies aber um den Preis von Werthers Leben und gewiss auch Charlottes Ehe geschieht, bleibt kein Auge trocken. Da öffnet sich die Bühne von Klaus Grünberg und gibt den Blick frei ins All – in jenen romantischen...
Erinnern wir uns. Grenouille, so hieß der genialische Monomane in Patrick Süßkinds Weltbestseller, der schattengleich durch Paris schleicht, «immer der Nase nach», und seine ahnungslosen Opfer in den Orkus reißt. Damit ist ein typisch französisches Sujet aufgerufen, denn auch die Dichter der Grande Nation verschrieben sich seit jeher dem Duft der schönen...
