Liebesfrust und -lust
Das «Prima la musica»-Postulat in der Oper, so obsolet es ohnehin ist, kann bei einem Werk wie Verdis «Falstaff» geradezu zerstörerische Wirkung haben, denn hier haben wir es mit dem Idealfall einer Symbiose von Text und Musik im Dienste des Theaters zu tun.
Als Carlo Maria Giulini diese Musikkomödie vor fünfundzwanzig Jahren in identischer Besetzung in Los Angeles und London dirigierte, hatte er dem Theater längst angewidert den Rücken gekehrt und sich für dieses Comeback eines Regisseurs (Ronald Eyre) versichert, der nicht viel mehr als ein Lakai gewesen sein kann: Er riskiert nicht einmal in Ansätzen eine Inszenierung, sondern arrangiert dirigentenfreundlich ein Konzert in Kostümen. Von den fünf Produktionen, die in den letzten Monaten als DVD neu oder wieder aufgelegt wurden, ist dieser mit Neugier erwartete Londoner Mitschnitt die uninteressanteste und für den, der die amerikanische Version als Platte besitzt, eine herbe Enttäuschung. Allerdings ist auch Giulinis musikalische Auffassung dieses Spätwerks Geschmackssache. Man kann sie mit freundlicher Anerkennung als abgeklärt bezeichnen, vom Sarkasmus und gelegentlich brüllenden Witz in der Partitur ist nicht viel zu hören. ...
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Als Theodor W. Adorno 1967 bei einem Kongress in Graz öffentlich über Musikkritik nachdachte, hatte er leicht reden. Die Jahre, in denen er regelmäßig Musikkritiken geschrieben hatte, lagen lange zurück, und von den Bedürfnissen des Marktes hielt er sowieso nichts. Adorno sprach also Idealtypisches. Gerade deswegen hatte er mit (fast) jedem Satz Recht. Er betonte...
Die Hoffnung der Bregenzer Festspiele 1994, Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini» zumindest im Randsektor des internationalen Repertoires einbürgern zu können, hat sich nicht bestätigt. Gerade zweimal ist das schwül-dekadente «Poem aus Blut und Wollust» seither im Register der «Opernwelt» aufgetaucht: 2004 in Macerata und 2006 in Passau. Und das wird sich wohl...
Das Bild ist ein bekanntes, nicht nur, weil Edward Hopper es in verschiedenen Varianten gemalt hat. Einsam dort ein Mann, nächtens, in irgendeiner Bar irgendwo, den Kopf schwermütig auf den blankgewienerten Tresen gelehnt, niemand mehr ist da außer ihm und dem Wirt. Ein Gestrandeter, am Leben Verzweifelter, ein Mann, der die Welt nicht mehr versteht. Doch da ist...
