Liebesfrust und -lust
Das «Prima la musica»-Postulat in der Oper, so obsolet es ohnehin ist, kann bei einem Werk wie Verdis «Falstaff» geradezu zerstörerische Wirkung haben, denn hier haben wir es mit dem Idealfall einer Symbiose von Text und Musik im Dienste des Theaters zu tun.
Als Carlo Maria Giulini diese Musikkomödie vor fünfundzwanzig Jahren in identischer Besetzung in Los Angeles und London dirigierte, hatte er dem Theater längst angewidert den Rücken gekehrt und sich für dieses Comeback eines Regisseurs (Ronald Eyre) versichert, der nicht viel mehr als ein Lakai gewesen sein kann: Er riskiert nicht einmal in Ansätzen eine Inszenierung, sondern arrangiert dirigentenfreundlich ein Konzert in Kostümen. Von den fünf Produktionen, die in den letzten Monaten als DVD neu oder wieder aufgelegt wurden, ist dieser mit Neugier erwartete Londoner Mitschnitt die uninteressanteste und für den, der die amerikanische Version als Platte besitzt, eine herbe Enttäuschung. Allerdings ist auch Giulinis musikalische Auffassung dieses Spätwerks Geschmackssache. Man kann sie mit freundlicher Anerkennung als abgeklärt bezeichnen, vom Sarkasmus und gelegentlich brüllenden Witz in der Partitur ist nicht viel zu hören. ...
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Wann hat es ein neues, junges Opernfestival geschafft? Wenn sich die internationale Presse aufmacht ins noch immer etwas abgelegene Baltikum? Wenn sich im Publikum auch Reisegruppen von Opernfreunden finden, die es – etwa in Baden-Baden – sonst eigentlich etwas exklusiver und teurer haben? Wenn auch das einheimische Publikum trotz eher niedriger...
Rossini war einer der ersten bedeutenden Komponisten, die den englischen Dichter Sir Walter Scott, der für die europäische Romantik eine Leitfigur war, für die Opernbühne entdeckten. Scotts Verserzählung «The Lady of the Lake» (1810) bildet die Grundlage von «La donna del lago», die im September 1819 in Neapel ihre erfolgreiche Uraufführung erlebte und sich mehr...
Aha, denkt der MTV-versierte Zuseher sich zu Beginn: «Alles im Arsch». An den Videoclip zu diesem Song von Jan Delay und Udo Lindenberg erinnert, was sich da beim «Trovatore» auf der neuen Bühne des Slowakischen Nationaltheaters tut: Mafiosi konspirieren in einer Tiefgarage, und ihr Anführer (Schlapphut, Sonnenbrille, lange Haare) scheint Udo, dem Paten aller...
