Editorial
Als Theodor W. Adorno 1967 bei einem Kongress in Graz öffentlich über Musikkritik nachdachte, hatte er leicht reden. Die Jahre, in denen er regelmäßig Musikkritiken geschrieben hatte, lagen lange zurück, und von den Bedürfnissen des Marktes hielt er sowieso nichts. Adorno sprach also Idealtypisches. Gerade deswegen hatte er mit (fast) jedem Satz Recht. Er betonte zum Beispiel, Musikkritik habe mit theoretischem Bewusstsein und praktischem Eingreifen gleichermaßen zu tun.
Er hob die paradoxe Einheit hervor, die das Genre prägen sollte: ein «fast weiches sich der Sache Hingeben» und eine «größte Bestimmtheit des Urteils». Er setzte, darin seinem Kollegen Hans-Georg Gadamer ähnlich, das, was ein Kritiker an Vorerfahrung mitbringt, sehr hoch an: «Wer als tabula rasa hören würde, würde vermutlich gar nichts hören». Er bestand aber auch auf unanfechtbarem Handwerkszeug und verachtete die Benutzung von Bildungsabfall anstelle tieferer Sachkompetenz. Nur technische Analyse, und nur sie, führe ins Übertechnische. Dass es keine Wahrheit gibt, die sich außerhalb der Zeit entfalten kann, setzte er sowieso voraus und schloss daraus, dass Kritik, statt leere Objektivität zu suggerieren, ...
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Eine merkwürdige, vielfach bestätigte Erfahrung: die Premiere einer Neuinszenierung, endend in einer Schlacht zwischen Buh und Bravo, von den Medien kontrovers kommentiert. Die zweite Vorstellung sodann ungestört, mit ein paar vereinzelten Buhrufen, die sich eher wie ein Accent aigu zur allgemeinen Zustimmung ausnehmen. So jetzt wieder bei der Neuproduktion von...
Frau Dessay, Sie scheinen sich Ihre Bühnenrollen überzuziehen wie eine zweite Haut. Wie sehr identifizieren Sie sich mit ihnen?
Auf der Bühne völlig. Aber sonst sind Bühne und Realität für mich zwei sehr unterschiedliche Welten.
Sie nehmen die Figur also nicht mit nach Hause?
Nein, überhaupt nicht. Im Moment, wo ich von der Bühne herunterkomme, bin ich wieder ganz...
Wie eigentlich immer bei solchen Geschichten, so war es auch dieses Mal. Seit Monaten spazierte der Rumor durch die sächsische Provinzmetropole. Alle in der Szene wussten Bescheid, längst war beschlossen, was zu tun sei. Fraglich war nur noch der Zeitpunkt der Tat. Am 19. Juni 2007 schließlich war es so weit. Die Kunde wurde ins Land hinausgetragen. Doch schon die...
