Liebe, Zank und Versöhnung
Alptraum oder Traum im antiken Athen? Auf dass der Nachschub an Kriegern funktioniere, sollte «mann» in jedem Fall zwei Frauen heiraten. Das zumindest behaupten – historisch wohl nicht ganz korrekt – Georg Philipp Telemann und sein Librettist Johann Ulrich König in ihrer 1721 in Hamburg uraufgeführten Oper «Der geduldige Sokrates». Also muss der Philosoph nicht nur seinen sprichwörtlich gewordenen Hausdrachen Xanthippe ertragen, sondern eine bislang in der Literatur nicht aktenkundige Dame namens Amitta...
Nigel Lowery hat für seine Inszenierung zusammen mit dem Choreografen Amir Hosseinpour ein spiegelbildliches Einheitsbühnenbild in breitem hellbraunen Resopal-Rahmen entworfen. Alles ist da zweimal vorhanden: die breite, gut ausgestattete Küchenzeile mit Elektroherd samt Fenster aufs Meer und Bücherregalen bis zur Decke. Dazu der Ausblick auf Nebenräume, die als Fototapete unter künstlichen Weinranken dasselbe Bild zeigen wie der Eiserne und der Zwischenvorhang: ein Stillleben aus Büchern (darunter eine wohlbekannte Latein-Grammatik), Weinkorken, Ruinen antiker Säulen darstellend, und ein Tempel aus Pappmaché sowie diverse Matchbox-Autos. Zur Krönung: der Torso eines nackten ...
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Eine ziemlich degenerierte Gesellschaft sind sie schon, diese Götter: Wotan, der ständig abwiegelnde smarte Schwächling; Fricka, sein moralinsaures Eheweib; Donner, der aufbrausende Hohlkopf; Froh, der eitle Fant. Anthony Pilavachi arbeitet, zum Teil in zusätzlich eingefügten stummen Begegnungen, mit seinen Darstellern scharfe Charakterporträts heraus und führt sie...
Dass Mozarts Königin der Nacht als Angelegenheit für Spezialistinnen gilt, hat die Partie auch in Verruf gebracht. Denn zum einen können Koloratursopranistinnen allzu leicht darauf festgelegt werden, zum anderen passt oft das chinesische Märchenbild der mechanischen Nachtigall: koloraturgewandt, doch ohne Eigenpersönlichkeit. Diana Damrau ist längst zur...
Eingekerkert, im Dunkeln weggeschlossen, verwahrlost und seelisch ausgehungert: Derart misshandelte Frauen müssten ihrer Befreierin um den Hals fallen und dem Ort des Grauens schnellstmöglich entfliehen. Dass genau dies in der Oper «Ariane et Barbe-Bleue» des französischen Komponisten Paul Dukas (1865-1935) nicht passiert, stellt eines der großen Hindernisse...
