Liebe in Zeiten des Wahnsinns
Draußen Regen. Novemberwind. Ein kalter Abend nach einem trüben Tag, grau in grau. Drinnen auf der Bühne mediterranes Chiaroscuro, hartes Dunkel durchkreuzt von flirrendem Licht, weiße Wände wie mit schwarzer Tinte bespritzt – Kontraste, scharf wie die Rapiere der Fechter, die sich mit Aggression aufpumpen gegen den nachbarlichen Feind. Aus solcher Enge quasi im rechten Winkel herausstechend die großen Gefühle zweier Liebenden, so unbegrenzt wie schmerzhaft und tödlich. Liebe in Zeiten des Wahnsinns. Bellinis «I Capuleti e i Montecchi».
Eine überzeugende Produktion der Opernkompanie im norwegischen Bergen.
Überhaupt: Oper in Bergen. «Do what Norwegians do – eat reindeer sausage», wirbt ein Würstelbrater am Hafen um Touristen-Gaumen. Ob Rentierbratwurst zum bevorzugten Verzehr der Nordmänner gehört, soll hier nicht hinterfragt werden; wir hätten eher auf Fisch getippt. Dass ein Opernbesuch lange nicht zu dem zählte, what Norwegians do, ist indes unbestritten. Zumal in Bergen, Norwegens zweitgrößter Stadt. Doch zuletzt hat sich da einiges geändert. Denn seit einem Jahrzehnt gibt es die Bergen Nasjonale Opera, und diese, seit 2010 unter der Leitung der Schottin Mary ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhard Persché
Zu fragmentarisch ist Welt und Leben, / Ich will mich zum deutschen Professor begeben; / Der weiß das Leben zusammenzusetzen, / Und er macht ein verständliches System daraus. / Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen / Stopft er die Lücken des Weltanbaus.» Ohne anklägerisches Pathos hat Heinrich Heine, grimmig ironisch, die große Vergeblichkeit skizziert,...
Mit einer neuen Produktion im Market Theatre von Johannesburg hat die Kompanie Umculo – der Name stammt aus der Sprache der Xhosa und lässt sich bezeichnenderweise sowohl mit «Musik» als auch mit «Versöhnung» übersetzen – aufregendes Terrain für die Oper in Südafrika betreten. In dem Pasticcio «Lamento» werden Madrigale, Arien und Szenen von Claudio Monteverdi...
Seltsam, dass das im Nationaltheater München keiner komisch findet. Wenn die Solo-Posaune, drastisch vom b übers a und as zum g herabschmierend, postkoitale Erschlaffung illustriert und acht Takte später noch dreimal, im Gestus ähnlich, mit fallender Sekunde von versiegender Manneskraft quäkt. Es ist eine berühmt-berüchtigte Opernszene, unverstellt hat Dmitri...
