Abgehangen
Schon Giacomo Puccini hätte aus Franz Molnárs «Liliom» gern eine Oper gemacht. Der Grund hierfür lag auf der Hand: Das Kleine-Leute-Milieu der «Vorstadtlegende», der machohaft rüde, dann aber doch nicht völlig schlechte Jahrmarktsausrufer Liliom und seine Braut Julie, die so stur wie hingebungsvoll hinnimmt, dass er sie schlägt – es wäre der perfekte Stoff für den Komponisten gewesen.
Vielleicht hatte Molnár also recht, den Plan mit der Begründung abzulehnen, dann werde jeder in Zukunft nur noch von Puccinis Musik sprechen – und erst dem 1945 entstandenen Musical «Carousel» seinen Urhebersegen zu geben.
Am Münchner Gärtnerplatztheater hat sich jetzt die österreichische Komponistin Johanna Doderer an eine durchkomponierte Oper gewagt, für die Intendant Josef E. Köpplinger das Stück behutsam eingestrichen hat. Die Uraufführung war eigentlich als Coup zur Neueröffnung des Stammhauses geplant, doch wegen Verzögerungen bei der Generalsanierung muss das Ensemble mit der Münchner Reithalle vorliebnehmen. Geblieben ist immerhin eine Besetzung mit Starbonus: Angelika Kirchschlager verleiht der Karussellbesitzerin Frau Muskat fast schon Züge einer Grande Dame, während die ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Michael Stallknecht
Die Stadt, welche die Römer «Felicitas Julia» nannten und in der (fast) immer die Sonne scheint, besinnt sich neuerdings wieder auf ihre glückliche Vergangenheit. Sogar das Teatro Nacional de São Carlos scheint sich, obwohl finanzielle Zwänge immer noch wie ein Damoklesschwert über der Kompanie hängen, von der Sparpolitik der letzten Jahre zu erholen.
Beispie...
Mit jedem Werk, das von Walter Braunfels (1882-1954) eingespielt wird, erweitert sich unsere Kenntnis vom Schaffen dieses Komponisten, der 1933 von den Nazis als Halbjude verfemt wurde und nach 1945 wegen seines Stilkonservativismus erneut ins musikpolitische Abseits geriet. Vereinzelte Aufführungen, zuletzt seines epischen Musiktheaters «Jeanne d’Arc» in Köln...
Einen beeindruckenden Premierenreigen hat das Opernhaus Zürich in der Spielzeit 2015/16 hingelegt. Mit einer ebenso starken wie radikal in die Werkstruktur eingreifenden «Entführung aus dem Serail» in der Regie von David Hermann setzt das Haus unter der Leitung von Andreas Homoki weiter auf individuelle Regiehandschriften und unbequeme Sichtweisen. Gut so....
