Abgehangen
Schon Giacomo Puccini hätte aus Franz Molnárs «Liliom» gern eine Oper gemacht. Der Grund hierfür lag auf der Hand: Das Kleine-Leute-Milieu der «Vorstadtlegende», der machohaft rüde, dann aber doch nicht völlig schlechte Jahrmarktsausrufer Liliom und seine Braut Julie, die so stur wie hingebungsvoll hinnimmt, dass er sie schlägt – es wäre der perfekte Stoff für den Komponisten gewesen.
Vielleicht hatte Molnár also recht, den Plan mit der Begründung abzulehnen, dann werde jeder in Zukunft nur noch von Puccinis Musik sprechen – und erst dem 1945 entstandenen Musical «Carousel» seinen Urhebersegen zu geben.
Am Münchner Gärtnerplatztheater hat sich jetzt die österreichische Komponistin Johanna Doderer an eine durchkomponierte Oper gewagt, für die Intendant Josef E. Köpplinger das Stück behutsam eingestrichen hat. Die Uraufführung war eigentlich als Coup zur Neueröffnung des Stammhauses geplant, doch wegen Verzögerungen bei der Generalsanierung muss das Ensemble mit der Münchner Reithalle vorliebnehmen. Geblieben ist immerhin eine Besetzung mit Starbonus: Angelika Kirchschlager verleiht der Karussellbesitzerin Frau Muskat fast schon Züge einer Grande Dame, während die ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Michael Stallknecht
Seltsam, dass das im Nationaltheater München keiner komisch findet. Wenn die Solo-Posaune, drastisch vom b übers a und as zum g herabschmierend, postkoitale Erschlaffung illustriert und acht Takte später noch dreimal, im Gestus ähnlich, mit fallender Sekunde von versiegender Manneskraft quäkt. Es ist eine berühmt-berüchtigte Opernszene, unverstellt hat Dmitri...
Die eine Farbe. Blau. Schon im Alten Testament findet sie Erwähnung (Exodus 28, 5-35) und ebenso in Homers «Ilias». Blau, das steht, je nach philosophisch-anthropologischem Kontext, für vieles: für zwiespältige Tiefe, für Jungfräulichkeit, für Bewusstsein und Weisheit (dharma-dhatu), für sanfte, ätherische Stimmung, für Ausschweifung, die Sehnsucht nach dem...
Die spanische Revolution von 1846 war offenbar eine beschauliche Angelegenheit. Es blieb viel Zeit, um die Straße zu fegen, sich erotisch neu zu orientieren oder die politische Richtung zu ändern. Selbst die Unterlegenen konnten in aller Ruhe den Kampfplatz verlassen, jedenfalls wenn man der recht konventionellen Sicht des spanischen Regisseurs Alfonso Romero...
