Liebe bis in den Tod
In Freundschaft» lautet das Motto der diesjährigen Musikfestspiele Potsdam. Freundschaftlich verbunden sind sich auch die Helden in Marc-Antoine Charpentiers szenischem Oratorium «David et Jonathas», einer Koproduktion mit der Opéra Royale de Versailles. David, furchtloser Bezwinger des Riesen Goliath, und Königssohn Jonathas gehören verfeindeten Lagern an – den Israeliten auf der einen, den Philistern auf der anderen Seite. Es kommt, wie es kommen muss: Die Freunde sind gezwungen, gegeneinander in den Krieg zu ziehen, am Ende stirbt Jonathas in Davids Armen.
Aufgeführt wird das biblische Drama passenderweise in der Potsdamer Erlöserkirche.
David in goldener Uniform und schicken Wildlederstiefeln ist ein Bild von einem Mann, da sind sich alle einig: «Seiner Ausstrahlung sah man noch mehr Männer erliegen, als sein Arm umwarf», schwärmt sein Gefolge. Doch David will allein von Jonathas geliebt werden: «Darf ich hoffen, dich noch treu zu finden?», befragt er ihn ängstlich. Angesichts solcher Leidenschaft lässt sich in die Männerfreundschaft der beiden durchaus eine erotische Note hineinlesen. Überhaupt könnte man zu Recht fragen, ob es sich bei König Saul (David Witczak), der David ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2023
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anna Schors
Frau Garanča, wie viele Sprachen beherrschen Sie eigentlich?
Sechs.
Und warum sprechen Sie so bestechend gut Deutsch?
Deutsch habe ich in Deutschland gelernt. 1999, als ich ans Staatstheater Meiningen kam. Gezwungenermaßen, würde ich fast sagen. Da musste ich mir Deutsch beibringen. Nicht, dass ich gezwungenermaßen nach Meiningen kam! (lacht) Ich war ja sozusagen...
Gian Carlo Menotti ist ein junger Mann, als er auf die Frage, wie er es geschafft hat, die Bürokratie zu überwinden, um in einer kleinen Stadt im grünen Herzen Italiens ein neues Festival ins Leben zu rufen, antwortet: «Glaube, Beharrlichkeit und Glück». Man schreibt das Jahr 1959, Menotti arbeitet schon seit mindestens drei Jahren an der Idee, völkerverbindende...
Die Zahl macht heute noch fassungslos. Acht Millionen Menschen kamen im Dreißigjährigen Krieg zu Tode, von jenen 12 Millionen, die das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zuvor beheimatete. Für die Zeitgenossen schien die Apokalypse angebrochen zu sein, als eine enthemmte Soldateska auf Jahrzehnte hin entvölkerte Landstriche hinterließ, Hunger und Seuchen ihr...
