Liebe bis in den Tod

Die Potsdamer Musikfestspiele präsentieren Charpentiers «David et Jonathas» und Andrea Bernasconis «L’Huomo»

Opernwelt - Logo

In Freundschaft» lautet das Motto der diesjährigen Musikfestspiele Potsdam. Freundschaftlich verbunden sind sich auch die Helden in Marc-Antoine Charpentiers szenischem Oratorium «David et Jonathas», einer Koproduktion mit der Opéra Royale de Versailles. David, furchtloser Bezwinger des Riesen Goliath, und Königssohn Jonathas gehören verfeindeten Lagern an – den Israeliten auf der einen, den Philistern auf der anderen Seite. Es kommt, wie es kommen muss: Die Freunde sind gezwungen, gegeneinander in den Krieg zu ziehen, am Ende stirbt Jonathas in Davids Armen.

Aufgeführt wird das biblische Drama passenderweise in der Potsdamer Erlöserkirche.

David in goldener Uniform und schicken Wildlederstiefeln ist ein Bild von einem Mann, da sind sich alle einig: «Seiner Ausstrahlung sah man noch mehr Männer erliegen, als sein Arm umwarf», schwärmt sein Gefolge. Doch David will allein von Jonathas geliebt werden: «Darf ich hoffen, dich noch treu zu finden?», befragt er ihn ängstlich. Angesichts solcher Leidenschaft lässt sich in die Männerfreundschaft der beiden durchaus eine erotische Note hineinlesen. Überhaupt könnte man zu Recht fragen, ob es sich bei König Saul (David Witczak), der David ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2023
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anna Schors

Weitere Beiträge
Sex, Lügen und Hollywood

An wundersame Wasserwesen, an Undinen, kleine Meerjungfrauen, Mädchen mit Fischschwänzen können wir kaum mehr glauben. Er sei ihnen gut, bekannte noch der alte Wagner am Vorabend seines Todes, und lauschte den Klagen seiner Rheintöchter nach, aber das ist lange her. Was da webt und west, sind ja, wir wissen es, bloß männliche Projektionen. Die Wirklichkeit ist...

Sieben Fragen an Pietari Inkinen

Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Im Orchestergraben zu weinen ist natürlich schwierig, aber als Zuschauer geht mir «Wotans Abschied» in der «Walküre» sehr nah.

Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Zermatt, wenn es genug Platz gäbe!

Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Ein guter Teamgeist.

Welche Oper halten Sie für überschätzt?
Sagen wir...

Heimatgeschichte

Der Bezirk Perm lebt von starken Kontrasten: Eines der größten Düngemittelwerke der Welt befindet sich unmittelbar neben ehemaligen Bergwerkssiedlungen; im Norden ragen die Uralberge auf, mit von der typisch sowjetischen Bauweise unberührten Dörfern; gleich in ihrer Nachbarschaft, inmitten verträumter Wälder, liegen Gefängnisse, an die sich Dissidenten aus früheren...