Liebe auf der Hängebrücke
«Ins Offene!» Wer hätte gedacht, dass das berühmte Hölderlin-Zitat ausgerechnet im Jahr des Gedenkens an dessen 250. Geburtstag solche Relevanz bekäme. Denn im Freien scheint die Corona-Ansteckungsgefahr am Geringsten zu sein. Was allerdings nicht verhindern konnte, dass schon im Frühjahr wichtige Freiluftfestivals auf dem Covid-19-Altar geopfert wurden. Einige wenige wagten es doch – oder erst recht.
Beispielsweise Bad Wildbad.
Jochen Schönleber, Intendant des Belcanto Opera Festivals, wich von seinem ursprünglichen Vorhaben einer rein virtuellen Saison ab, er wagte sich mit einem «Mini-Festival» im September mutig an die Öffentlichkeit. Und das ausgerechnet mit einem Werk, das eher für die mondäne Häuslichkeit des 19. Jahrhunderts geschrieben worden war: Manuel del Pópulo Vicente Rodriguez Garcías einaktiger Salonoper «L’isola disabitata» von 1831.
Für die «einsame Insel» fand Schönleber eine verblüffende Metapher: die spektakuläre Wildline-Hängebrücke auf dem Sommerberg bei Bad Wildbad. Um Isolation geht es ja in dem Stück, dessen Libretto Pietro Metastasio schon rund acht Jahrzehnte zuvor verfasst hatte: Constanza trauert um den angeblich treulosen Gernando und will sich auf ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Alexander Dick
Gemeinhin gilt eine Filmmusik dann als adäquat, wenn sie hinter oder unter den Bildern so verschwindet, dass man sie nicht mehr bewusst wahrnimmt: Musik als Funktionsträger, als Geschmacksverstärker. Damit hat freilich der 61-jährige Kölner Johannes Kalitzke nichts am Hut. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich der Komponist und Dirigent (nicht nur in eigener Sache)...
Lullys letzte, 1686 uraufgeführte Oper «Armide» überdauerte alle Stürme der Zeit und stand bis 1766 regelmäßig auf dem Spielplan der Pariser Opéra – in freilich zunehmend übergriffiger Bearbeitung, bis ihr schließlich Glucks Opernreform, wie der französischen Tragédie en musique insgesamt, das Lebenslicht ausblies. Als Gluck dann 1777 das Sakrileg beging, Philippe...
Als Intendant hat Ansgar Haag grundsätzlich ein Gespür für die Programm-Melange, die beim heimischen Publikum ankommt und überregionales Interesse weckt. Für die Eröffnung seiner letzten Spielzeit am Staatstheater Meiningen inszenierte er nun selbst ein Stück, das sich ohne Corona-bedingte Einbußen auf die Bühne bringen lässt. Anders als der etwas sperrige Titel...
