Liebe auf der Hängebrücke

Das Rossini-Festival in Bad Wildbad beglückt seine Zuschauer mit einer Open-Air-Aufführung des Spaniers Manuel del Pópulo Vicente Rodriguez García: «L’isola disabitata»

Opernwelt - Logo

«Ins Offene!» Wer hätte gedacht, dass das berühmte Hölderlin-Zitat ausgerechnet im Jahr des Gedenkens an dessen 250. Geburtstag solche Relevanz bekäme. Denn im Freien scheint die Corona-Ansteckungsgefahr am Geringsten zu sein. Was allerdings nicht verhindern konnte, dass schon im Frühjahr wichtige Freiluftfestivals auf dem Covid-19-Altar geopfert wurden. Einige wenige wagten es doch – oder erst recht.

Beispielsweise Bad Wildbad.

Jochen Schönleber, Intendant des Belcanto Opera Festivals, wich von seinem ursprünglichen Vorhaben einer rein virtuellen Saison ab, er wagte sich mit einem «Mini-Festival» im September mutig an die Öffentlichkeit. Und das ausgerechnet mit einem Werk, das eher für die mondäne Häuslichkeit des 19. Jahrhunderts geschrieben worden war: Manuel del Pópulo Vicente Rodriguez Garcías einaktiger Salonoper «L’isola disabitata» von 1831.

Für die «einsame Insel» fand Schönleber eine verblüffende Metapher: die spektakuläre Wild­line-Hängebrücke auf dem Sommerberg bei Bad Wildbad. Um Isolation geht es ja in dem Stück, dessen Libretto Pietro Metastasio schon rund acht Jahrzehnte zuvor verfasst hatte: Constanza trauert um den angeblich treulosen Gernando und will sich auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Pures Glück

In der rheinischen Mundart gibt es einen Spruch von enormer Weltgültigkeit, den man ins Hochdeutsche übersetzen muss, damit ihn auch Hessen und Schwaben verstehen. Er lautet (grammatisch schief, aber egal): Es gibt kein größeres Leid, als was man sich selbst antut.

In unserem Fall bezieht sich der Satz auf die neue Box mit Aufnahmen des vor 50 Jahren gestorbenen...

Wie aus Seide gesponnen

Den Brüdern Edmund und Jules de Goncourt verdanken wir nicht nur einen renommierten französischen Literaturpreis, sondern auch den Aphorismus, die Anekdote sei der Groschenbasar der Geschichte. Mit Letzterem kokettierte zweifellos Rosina Storchio (1872–1945), Puccinis erste Butterfly. Denn die Diva verkörperte bei der Uraufführung von Leoncavallos «Zazà» anno 1900...

Schmerzvoll schön

Arg viel wissen wir nicht über dieses Mädchen. Sie lernt Peer Gynt beim Tanz kennen und ist gleichermaßen abgestoßen wie angezogen von seinem ungeschlachten Wesen. Und – sie ist geduldig. Solveig wartet und erträgt es in stoischer Ruhe, dass dieser «Peer Leichtfuß» sie immer wieder verlässt. Am Ende wird er ja doch zurückkehren in ihren Schoß. Wer weiß, ob diese...