Lichtschneisen in eine neue Zeit
Die Musik kommt aus dem Nichts. Eine aufsteigende Quinte der tiefen Streicher, dann ein Ganzton. Sehr leise beides, sehr legato und très modéré. Die Bewegung wiederholt sich. Holzbläser treten dazu: synkopisch sanft angestoßene Akkorde, mehr kreisend als zielgerichtet. Abbruch. Von fern grollt die Pauke. Dann ein neuer Start, die gleichen Töne, nur heller, höher, konturierter. Das Ohr sieht etwas besser, dennoch bleibt der Klangraum dunkel. Und dann plötzlich dieses Weinen. Ein einzelner starrer Ton der Oboe, eine zarte Seufzergeste. Es ist das Erste, was wir von Mélisande hören.
Warum weint sie?
In Essen zieht uns ein blauer Portalschleier ins Geschehen. Er lichtet sich langsam – wie die Musik. Mélisande weint mit dem ganzen Körper, stark und stumm. Sie steckt in einem hellen, hochgeschlossenen, schuppenartigen Kleid. Eine Meerjungfrau könnte sie sein, die gerade schmerzvoll Mensch geworden ist. Sie ist groß und blond und scheu, ihre Sinnlichkeit unbewusst. «Fasst mich nicht an», sagt sie. Ein Stück Natur. Ein Trauma. Ein Rätsel.
In Frankfurt steht Mélisande in einem hellen Spotlight. Sie weint nicht, sondern fingert nach ihrem Feuerzeug. Sie braucht einen Joint. Sie steckt in ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch
Erst spät wurden manche wach. Da war doch noch was: genau, ein stählernes, eckiges, auskragendes Ding, wie vom Himmel auf dem Marstallplatz hinter dem Münchner Nationaltheater gefallen. Ein Architektur gewordener Dramaturgendunst, entworfen vom Wiener Büro Coop Himmelb(l)au. Widerborstig und widerspenstig, so sieht sich die Bayerische Staatsoper gern. Doch der...
So sieht sie aus, die neue Opernwelt – inhaltlich genauso gewichtig wie eh und je, grafisch aber klarer und kontrastreicher. Auch die Ausstattung ist ansprechender geworden. Für den Relaunch haben wir mit einem international renommierten Art Director zusammengearbeitet. Das erste Heft in der neuen Gestaltung eröffnet vielfältige Perspektiven auf das Jahr 2013....
Die goldenen Jahre eines Dirigenten» seien doch die Zeitspanne zwischen 60 und 70. Und die solle man am besten am Pult von Spitzenorchestern verbringen. Das selbst gesteckte Ziel hat Mariss Jansons mehr als erreicht – als Chef des BR-Symphonieorchesters in München und des Concertgebouworkest in Amsterdam sowie als begehrter, ja von Musikern verehrter Gast in Berlin...
