Sprache und Klang
Prima la musica, poi le parole? Das Verhältnis von Musik und Sprache hat schon Antonio Salieri auf der Bühne behandelt – in seinem gleichnamigen Divertimento, das 1786, gleichsam als dramaturgisches Statement zur damals virulenten Singspiel-Debatte, mit Mozarts Schauspieldirektor in der Orangerie von Schloss Schönbrunn uraufgeführt wurde. Richard Strauss gönnte sich 1942, mitten im Bombenkrieg, den Spaß, die Frage aller Opernfragen noch einmal in Rokoko-Anmutung aufzurollen, als raffiniert-eskapistische Spielerei mit zeichenhaftem Titel: Capriccio.
Im Grunde sei die gan-ze Geschichte der abendländischen Musik auch die Geschichte ihres Bezuges zur Sprache, stellt der Komponist Hans Thomalla (Jahrgang 1975) fest – «von der sprachnahen Rezitation in der frühen Gregorianik über die komplexen innermusikalischen Strukturen der Ars Subtilior, vom Espressivo der Seconda Pratica über die satzähnliche Syntax der Wiener Klassik hin zur musikalischen Prosa beim frühen Schönberg und der Sprachferne des späten Webern». Was bedeutet diese Erkenntnis für das Musiktheater heute, für den «Widerspruch zwischen einer Tendenz zur Emanzipation von Klang, die die zeitgenössische Musik verinnerlicht hat, ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Albrecht Thiemann
Es nahm sich aus wie ein besonders pointierter Regieeinfall und war doch nur dem Leben und seiner manchmal bitteren Realität geschuldet: eine Emilia Marty im Rollstuhl. Die alternde, mehr als 300-jährige Sängerin auf der Jagd nach dem Rezept für die ewige Jugend, gezeichnet als morbide, vom Verfall bedrohte Frau. Aber des Rätsels prosaische Lösung zeigt andere...
Der dunkle Bruder des Ruhms ist das Vergessen. Josef Myslivecek, zu Lebzeiten in Italien als «il boemo» verehrt, angereichert gelegentlich sogar durch das Epitheton «divino», geriet nach seinem Ableben (1781 in Rom) sehr schnell in den Schatten Mozarts. Die Musikgeschichte verbog sich sogar zum Gerücht, er hätte beim Salzburger Genie abgekupfert. Dabei war’s eher...
54. Jahrgang, Nr 1
Opernwelt wird herausgegeben vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752251
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 7.12.2012
Redaktion:
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht Thiemann
Wiebke...
