Licht und Schatten
Katharina Wagners «Meistersinger»-Inszenierung ist zweifellos das, was man einen Wurf nennt: frisch, frei, ironisch, ehrlich, der Komplexität des Stückes in jedem Moment gewachsen. Sie entdeckt viel Düsteres und Böses, wo üblicherweise die Jubelparade dominiert. Sie ist offen in den Ideen, aber geschlossen in der theatralen Umsetzung. Sie spielt mit Erwartungshaltungen, verrät aber nie die Musik. Im Gegenteil: Wer sie gesehen hat, wird danach vieles anders hören. Es hat deshalb über allen Marketing-Effekt hinaus auch eine künstlerische Berechtigung, wenn sie nun auf DVD herauskommt.
Mitgeschnitten wurde 2007 und zwar sowohl bei Proben wie bei der Premiere (wodurch winzige Synchronisierungspatzer zu erklären sein dürften). Im Einsatz waren viele, im ganzen Haus verteilte Kameras. So kommt es zu manch ungewohnter Perspektive. Die Bildregie von Andreas Morell schwankt und schwenkt mutig zwischen Totale, Halbtotale und Nahaufnahme. Dass sie trotz aller Beweglichkeit kaum einfangen kann, was da in Bayreuth alles zu erleben war, spricht für die Qualität der Aufführung, genauer: für deren raumgreifende Simultaneität. Manches, wie die Wand der Meister im ersten Teil des dritten Aktes oder ...
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