Licht, List und Zärtlichkeit
«Seit ich ihn gesehen ...»: Ein Frauenleben in neues Licht, neue Farben getaucht. Schwärmerische Gefühle einer demütig dem Manne hingegebenen Frau, beschrieben aus der Perspektive eines Mannes – des Dichters Adelbert von Chamisso. Seine Verse sind, wie man in Zeiten von Neofeminismus und Gender-Debatten sagen würde, politically incorrect; widerspruchsfrei ist das wohl nicht mehr hinnehmbar. Lange habe sie denn auch «Nein» zu diesem Zyklus gesagt, erklärt die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman im Booklet ihres Albums «Frauen. Leben. Liebe».
Dann habe die Kraft der Schumann’schen Vetonung sie doch in den Bann gezogen, wobei über ihrer Interpretation ein Schleier feiner Ironie zu liegen scheint. Er hebt sich bei der Schilderung des Mutterglücks. Und die d-Moll-Klage über den Tod des Gatten, «Nun hast du mir den ersten Schmerz getan», greift in der unpathetischen Schlichtheit der Interpretation Kulmans und ihres Klavierbegleiters Eduard Kutrowatz ans Herz.
Jelissaweta Borissowna Kulman(n), 1808 in Sankt Petersburg geboren und dort 1825 gestorben, russisch-deutsche Namenscousine der Sängerin, war eine Frühvollendete. «Ein wunderbegabtes Wesen, wie sie nur selten, nach langen Zeiträumen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
Iphigénie ist von Alpträumen gepeinigt: Die berühmte Gewitterszene am Beginn von Glucks Oper ist nicht zuletzt Allegorie für die Last ihrer blutigen Familiengeschichte. In Lukas Hemlebs Deutung zeigt der Frauenchor, der Iphigénies Auftritt im Wüten der Elemente begleitet, eine irritierende Nähe zu Erinnyen: Alle Choristinnen sind schwarz gewandet, ihre Gesichter...
Doch nicht! Wir dachten schon, Medea macht sich jetzt mit dem Drachen davon. Mit diesem kleinen grünen Plüschmonster, einem Spielzeug ihrer Kinder. Stattdessen fliegt sie im verglasten Treppenhaus von Kreons schicker Regierungszentrale mit dem Fahrstuhl in die Luft. Die Explosion lässt die Türen Feuer spucken: Medea ist erledigt. Nach dem Gemetzel, das sie...
War da was? Die Furie des Verschwindens, diesmal im Auftrag des Kobolds Postmoderne, hat die einst so mächtig scheinenden Phänomene der um den Serialismus kreisenden musikalischen Avantgarde verdeckt, verschüttet, ja nahezu schon die Erinnerung daran gelöscht. Wem bedeuten Schnitte ins Opernbewusstsein wie Henri Pousseurs «Votre Faust» (Piccola Scala Mailand 1969)...
