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Eines war schon vorab klar: Puccinis Tragedia giapponese soll anders erzählt, neu erklärt werden. Nur, wie kann das gehen? Die österreichische Schauspielerin und Regisseurin Angelika Zacek, eine gebürtige Wienerin, ausgebildet im Fach Regie an der Hochschule Ernst Busch in Berlin, hat am Anhaltischen Theater Dessau jetzt ihre zweite Operninszenierung abgeliefert. Die erste, 2020 am Theater im thüringischen Gera, galt der politischen Kammeroper «In der Strafkolonie» von Philip Glass nach der gleichnamigen Erzählung Franz Kafkas.
Oper heute, eine Frage unseres Bewusstseins? Butterflys Lebensunglück verwandelt Zacek jedenfalls in eine Geschichte von Emanzipation. Die Regisseurin hat eine dezidiert feministische Antwort auf die Frage, wie die blutjunge Cio-Cio San, Opfer des amerikanischen Marineoffiziers Pinkerton und seines Liebesverrats, die Demütigung des Verlassenwerdens meistert. Zacek verteidigt vehement die Kern-Idee ihrer Interpretation: «Da sage ich ganz klar: Selbstermächtigung. Was die junge Butterfly von ihrer Gesellschaft nicht bekommt, obwohl es ihr zusteht, das muss sie sich selbst holen: eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.» Eine Botschaft, die beim ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Wolfgang Schreiber
Die Wirklichkeit ist eine (im besten Sinne) merkwürdige Angelegenheit. In jeder Sekunde tauchen wir in sie ein, nur wähnend, was uns in ihren Tiefen erwartet, was sie uns entgegenbringt, ja: woraus sie grundlegend besteht und als was wir dieses Grundlegende deuten dürfen. Wir definieren Wirklichkeit und müssen doch zugestehen, dass dies wenig nützt, weil die...
Letzte Dinge haben den Menschen schon immer interessiert, im Grunde seit jenem (sonnigen?) Tage, an dem er die Erde betrat, um sie und alles, was darauf herumkreuchte und -fleuchte, sich untertan zu machen. Insbesondere Endzeitvisionen waren von jeher in Mode, die Mächte des Thanatos mindestens so virulent wie die seines Kontrahenten Eros. Von den apokalyptischen...
Operneinakter gehen nicht, auch nicht im Doppelpack, heißt eine eiserne Theaterregel. Strauss’ «Salome» und «Elektra» gelten inzwischen als abendfüllend; eine Ausnahme wie das zwangsverheiratete Verismo-Paar «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» bestätigt nur die Regel. Frankfurts Intendant Bernd Loebe, kein Freund großer Worte, hat sich davon noch nie beirren...
