O Glück! O Grauen! O Gott!
Wenn ein Reisender in einer Winternacht … Ja, wenn also dieser Reisende in einer Winternacht (oder im Morgengrauen) nach Russland kommt und schon im Zug auf einen Mörder sowie einen bleichen Beamten trifft, nicht ahnend, dass auf der Sitzbank hinter ihm eine Tote liegt, dann kann man eigentlich sein gesamtes Vermögen darauf verwetten, dass man sich in einem Roman von Fjodor Michailowitsch Dostojewski befindet und dass dieser Roman Wendungen und Wechselfälle mit sich bringen wird, die allein mit einem kantisch aufgeklärten Denken kaum zu bewältigen wären.
Denn eines verspricht Dostojewski: Vernunft ist in seiner apokalyptischen Schattenwelt ein Fremdwort. Seine Menschen leiden an der Welt. Doch nicht so melancholisch wie die Menschen Tschechows. Dieses Leiden ist grundsätzlicherer, weit drastischerer Natur.
So auch in Dostojewskis dystopisch-epischem Roman «Der Idiot». Fast eintausend Seiten lang wogt das Geschehen zwischen Realität und Traum, Thriller und Groteske, Farce und Fabel hin und her. Und mögen sie alle das Paradies auf Erden suchen, wo die Schönheit regiert: Im wirklichen Leben klappt das eben nicht. Zu groß sind die Erwartungen, die Lügen, die (Ent-)Täuschungen und vor ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Um das zehnjährige Bestehen des Linzer Opernhauses zu feiern, ist eine neue «Meistersinger»-Inszenierung eine gute Wahl. Noch dazu, wenn Markus Poschner und das Bruckner Orchester so transparent, so packend aufspielen und Paul-Georg Dittrich (Regie) und Sebastian Hannak (Bühne) sich der Szene derart originell annehmen. Selbst kecke Eingriffe – ein Kinderchor...
Ein Mann, kein Schuss, kein Tod. So geht (sehr frei nach einem Buch des famosen und fußballbegeisterten Feuilletonisten Helmut Böttiger) Oper, wenn die Regie es will, auch in Tschaikowskys «Eugen Onegin». Also steht David Lees Lenskij, der seine letzten Worte vorher mit berührender Innigkeit gesungen hatte, einfach wieder auf, nachdem ihn Eugen Onegin (ein...
Georg Friedrich Händels Oratorium «Hercules» kam 1745 am Londoner King’s Theatre zur Uraufführung, wo der große Hallenser – mal mit Erfolgslorbeeren bedacht, mal von Konkurrenz und blöden Zufällen geplagt – gewirkt hatte. Das King’s Theatre ist längst tot (seit 1986 läuft dort ausschließlich «The Phantom of the Opera»), der frisch in der Westminster Abbey gekrönte...
