Leinwandmärchen

Massenet: Cendrillon
Münster | Theater

Opernwelt - Logo

Jules Massenets «Conte de fées», seine Lesart also des über das Aschenbrödel-Märchens, wird selten gespielt. Wie Rossini in der ungleich populäreren Version «La Cenerentola» setzt auch Massenet in seiner 1899 uraufgeführten Märchenoper die ekstatischen Traumbilder von Cendrillon und ihrem Märchenprinzen – im französischen Original «Le Prince Charmant» – in einen musikalischen Kontrast zur realen, karikierten Familienwelt wie der steifen Welt des Hofs.

Roman Hovenbitzer hatte für seine Inszenierung in Münster, angeregt durch Woody Allens Film «The Purple Rose of Cairo», den überzeugenden Einfall, für diesen Gegensatz von prosaischer Wirklichkeit und illusionistischer Realitätsflucht ein heutiges Pendant zu finden – die Traumfabrik des Kinos. Wenn sich der Vorhang öffnet, blicken wir in einen vollbesetzten Saal, in dem Cendrillon als kleine, unter dem Regiment ihrer bösen Stiefmutter leidende Putzkraft gerade das Ende eines Stummfilms über ihre eigene Geschichte sieht.

Hovenbitzer behält diesen Rahmen, leicht abgewandelt im königlichen Palast des zweiten wie in der Winterlandschaft des dritten Akts, für alle Bilder bei. Aus der Kinoleinwand treten die als Schneekönigin im weißen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Tanz ums Gold

Dass der zeitgenössische Kunstmarkt eine Finanzblase für hysterische Spekulanten sei, gehört fast schon zu den Allgemeinplätzen. Die einen bringen dort Haie in Formaldehyd oder diamantbesetzte Totenköpfe für Millionen an den Sammler, die anderen anscheinend kleine leuchtende Würfel. Cardillac heißt der Künstler, der diese Würfel am Salzburger Landestheater unter...

Inbegriff der Ars Gallica

Régine Crespin (1927-2007) war die bedeutendste französische Sopranistin der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Warner Classics erinnert an sie mit einer umfangreichen CD-Kollektion, die Aufnahmen aus den Jahren 1958 bis 1976 bündelt – Arien und Szenen aus Opern Verdis, Wagners, Massenets und Puccinis, Offenbach-Operetten und einer reichen Liedauswahl, die von...

Hochspannung

Der Düsseldorfer «Ring» nimmt mit «Siegfried» nun doch noch richtig Fahrt auf. Regisseur Dietrich W. Hilsdorf, der lange mit Wagner fremdelte, scheint seinen Widerstand gegen das «Gift der Musik» – das er noch vor dem «Rheingold» beklagte (und mit der Lektüre der Zeitgenossen Börne und Zola in seiner Wirkung zu mildern versuchte), aufgegeben zu haben. Schon «Das...