Gedankenspiele

Corbett: San Paolo
Osnabrück | Theater am Domhof

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Für sein neuestes Musiktheaterwerk hat Sidney Corbett auf ein nicht realisiertes Projekt Pier Paolo Pasolinis zurückgegriffen. Wie in seinem erfolgreichen Film «Das 1.

Evangelium – Matthäus», in dem Pasolini Jesus als kompromisslosen Prediger mit sozialrevolutionären Zügen darstellt, wollte er auch Paulus, die Zentralfigur im Übergang vom Urchristentum zur institutionalisierten Kirche, als moderne, von Zweifeln und inneren Widersprüchen zerrissene Figur in die heutige Zeit versetzen – ein am Ende Vereinsamter und Enttäuschter, in dem der Häretiker und Intellektuelle Pasolini auch eigene Züge erkannt haben muss. Er verwendet in seinem Treatment fast ausschließlich originale Bibeltexte, verfolgt das Leben des letzten, nicht mehr von Jesus selbst berufenen Apostels in einer «episodischen Tragödie» vom Damaskus-Erlebnis des zum Christentum Bekehrten bis zu seinem Tod und konfrontiert die Ereignisse, da es ihm nicht um historische Logik, sondern um die physische und materielle Gegenwart des Mythos geht, mit der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Jede Filmszene sollte darum einem Schauplatz der jüngsten Vergangenheit entsprechen, am Ende der Tod des Paulus mit der Ermordung Martin Luther Kings zusammenfallen.  ...

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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Uwe Schweikert

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