Leidenskitsch
Erkenntnis und Verstehen, das erhofft man sich von der Zuwendung zu den Randfiguren. Weil sich die Protagonisten des braunen Grauens der nachvollziehenden Abbildung sperren – es sei denn, man treibt alles wie weiland Charlie Chaplin beim «Großen Diktator» in die Groteske. Insofern steht diese Oper in einer guten Tradition. Emilie Schindler, das ist jene Frau, die hinter den Taten ihren Mannes Oskar verschwand. Und dies, obwohl sie ebenso viel unternahm für die Rettung der Juden.
Verhärmt und verlassen von ihrem seitenspringenden Gatten, lebte sie nach dem Krieg in der Nähe von Buenos Aires. Steven Spielberg schenkte ihr in «Schindlers Liste» vier Minuten, Komponist Thomas Morse nun im Auftrag des Gärtnerplatztheaters eine abendfüllende Oper.
Edel, lauter und rein ist diese Absicht. Doch Morse, Co-Librettist und Regisseur Kenneth Cazan sowie Ausstatter Kevin Knight sind in eine Reihe von Fallen getappt. «Frau Schindler», uraufgeführt in der Münchner Reithalle, kommt über die Logik eines «melodramatischen Gefühlskinos», wie sie Albrecht Thiemann für die Inszenierung von Weinbergs «Passagierin» in Gelsenkirchen konstatierte, nicht hinaus (OW 3/ 2017). Es ist bezeichnend und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Markus Thiel
Ein heikles Stück. Der Regie verlangt es alles ab. Vier schwierige Protagonisten hat Brittens 1973 vollendete, letzte Oper «Death in Venice», von denen die Hauptperson, der Schriftsteller Gustav von Aschenbach, überwiegend zum Klavier monologisiert, während Nummer zwei gleich sieben verschiedene Figuren darstellt, die dritte als Stimme des Apollo eine Maske ist und...
SABINE DEVIEILHE
Als «Königin der Nacht» macht sie schwer Eindruck, so sprühend, leicht und virtuos fliegt sie in höchste Höhen. Doch besteht das Repertoire der jungen französischen Koloratursopranistin nicht nur aus Partien Mozarts. Auch in den Opern Debussys, Delibes’ und Poulencs ist sie zu Hause. Ein Gespräch
ALBERTO GINASTERA
Sein Name, sein Werk ist nur...
Er hat der Nachwelt 18 Opern hinterlassen und die Bayreuther Festspiele 24 Jahre lang geleitet, von 1906 bis zu seinem Tod 1930. Wie aber dachte Siegfried Wagner politisch, was war er für eine Persönlichkeit? So lange der Familienclan seine Privatkorrespondenz unter Verschluss hält, sind die Wissenschaftler weitgehend auf Spekulationen angewiesen. 1973 hatte sich...
