Leere Blätter

Robert Carsens Inszenierung von Massenets «Werther» in Baden-Baden ist ganz auf Jonathan Tetelman zugeschnitten. Wie gut, dass er gerade eben ein Puccini-Album herausgebracht hat

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Jules Massenet hat den Abschluss seiner Opéra lyrique «Werther» genau notiert: «Samstag, 2. Juli 1887, 11.15 Uhr». Ob er ahnte, dass sein Werk tatsächlich ein Wurf war? Wie Puccinis «La Bohème» ist es ohne Fehl und Tadel, kein Takt zu viel, Libretto und Musik genau verzahnt – und doch im deutschsprachigen Raum nicht von gleicher Popularität; bis in die 1970er-Jahre war die Goethe-Oper kaum präsent. Seltsam genug, hatte doch die Uraufführung 1892 mit großer Resonanz in Wien stattgefunden, auf Deutsch.

Die sehr gut besuchte Premiere im Festspielhaus Baden-Baden spiegelt nun die bis heute stark gewachsene Akzeptanz des Werks, mochte man im Vorfeld auch Bedenken haben, ob dieses Kammerdrama ohne Chor (abgesehen von den Kinderstimmen) in dem mit rund 2500 Plätzen zweitgrößten Opernhaus Europas nicht womöglich etwas zu fragil wirken könnte. Obwohl auf den ersten Blick monumental, räumt Radu Boruzescus Einheitsbühnenbild solche Befürchtungen aus. Spielort ist eine öffentliche Bibliothek, an den drei Wänden der vier begehbaren Etagen ziehen sich die Buchreihen hin, einige Leitern erleichtern den Zugriff, links stehen fünf Lesetische hintereinander, im Raum verteilen sich einige Stehlampen ...

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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 16
von Götz Thieme

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