Lauter Aufbrüche
Puccini als Einnahmequelle. Wenige Rollen dürften zur Alterssicherung einer erfolgreichen Sängerin so gut taugen wie die auf offener Bühne ausgetrickste – und sich dafür schon vorher bitter rächende – Floria Tosca. Als Rückzugspartie für den gepflegten Diven-Ausstand haben zahlreiche Sängerinnen die Rolle lange gesungen – jeder Melomane bewahrt Erinnerungen an Sopranistinnen in seinem Herzen, die er zwar kaum noch, als Tosca aber doch noch live hören durfte. Anders gesagt: Es tut gut, ein «Tosca»-Debüt bei guten, ja besten Jahren einer Sängerin zu erleben.
Karita Mattila, nach Fortschritten zu Salome und Jenufa, liefert als Tosca ein Porträt von ebenmäßig gerundeter, gesund individualisierter und meist berückender Strahlkraft. Die tränenden Höhen ihres «Vissi d’arte» gehören keinem Bravourstück, sondern dem Bekenntnis einer melancholisch angeschlagenen Kämpfernatur. Bei «Mario, Mario» dunkelt und dickt sie die Vokale leicht ein. Manches Legato schliert, bei Impulslauten wie in «Aspetta» merkt man Krafteinsatz und Überfülle des Atems. Aber: Welche Prachtentfaltung pastellartig gedeckter Farben, dunkler Untergründe und weiblicher Konflikte. Als Scarpia sich ihr nähert, kostet ...
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