Lachen, Sorgen, Zagen
Verantwortungslose Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt», ist nach Karl Kraus’ treffender Formulierung Sinn und Zweck der Operette. Von dieser lösenden Wirkung erfüllt ist auch der märchenhafte Schluss von Gioacchino Rossinis Oper «La gazza ladra», wenn nach dreieinhalb Stunden das Justizdrama um das unschuldig zum Tode verurteilte Dienstmädchen Ninetta glücklich endet. Denn nicht sie, wie sich in letzter Sekunde herausstellt, hat den silbernen Löffel ihrer Herrschaft gestohlen, sondern die sprichwörtliche «diebische Elster».
Rossinis Semiseria, die das Buffoneske empfindsam vertieft und den Ernst im Rausch der Crescendo-Walze bis zur Frenesie überdreht, ist ein musikalisches Meisterwerk, von dem man zwar die populäre Ouvertüre kennt, das aber hierzulande kaum je auf die Bühne kommt. Frankfurt hat es, wie so oft schon in ähnlichen Fällen, gewagt und auf der ganzen Linie gewonnen!
Regisseur David Alden und sein Bühnenbildner Charles Edwards haben der Tragikomödie einen strengen Rahmen verpasst – ein Bühnenhalbrund mit zahlreichen Türen –, der im zeitlos ländlichen Ambiente des beginnenden 20. Jahrhunderts die sozialen Spannungen von ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Uwe Schweikert
Operette braucht Stars. Mehr noch als die große Schwester Oper lebt das unterhaltende Musiktheater von charismatischen Persönlichkeiten, die aus brauchbarem Material eine tolle Show machen. Wer die Geschwister Pfister engagiert, bekommt den Glamour gleich im Dreierpack: Auf den Kleinkunstbühnen der Republik sind sie groß geworden, als wahlverwandte Kunstfiguren...
Einen «Bühnenessay» nennt Elfriede Jelinek ihren Text «Rein Gold». Sie definiert damit kein neues Genre. Sie legitimiert nur, was längst Praxis ist im sogenannten Regietheater: Man nimmt eine alte Vorlage und formuliert dazu Thesen, die gut einen Essay abgäben, aber kein eigenes Stück. So entsteht ein Theater, in dem Worte und Gedanken an die Stelle von Vorgängen...
Und wieder kommt uns bei «The Rape of Lucretia» der sarkastisch-sexistische Aphorismus Georg Christoph Lichtenbergs über die «Ehre der Frauenzimmer», die, pardon, «nur einen halben Zoll vom Arsche abliegt» (Zitat aus Lichtenbergs «Sudelbüchern»), in den Sinn. Zwar weit weniger sudelig, aber dennoch merkbar scheint dies auch über Benjamin Brittens zweiter Oper zu...
