Lache, Bajazzo!
Auf die Frage nach dem größten und bedeutendsten Tenor lautet die Antwort auch heute noch fast einhellig: Enrico Caruso. Tenöre der jüngeren Vergangenheit, denen dieser Ehrentitel angetragen wurde, verweisen, wie Luciano Pavarotti, auf Caruso als ihren Urahn: «Ganz gleich, welches Jahr man gerade schreibt», urteilte Pavarotti, «Caruso wird immer ein ‹moderner› Tenor sein, da er, mehr als irgendjemand sonst, das schuf, was wir heute unter ‹modernem› Tenorgesang verstehen».
Doch warum ausgerechnet Caruso – und nicht etwa einer seiner Zeitgenossen unter den Tenören, wie Fernando De Lucia (1860– 1925), Alessandro Bonci (1870–1940), Hipólito Lázaro (1887–1974) oder der gleichaltrige Leo Slezak (1873–1946)? Sie alle sangen auf den bedeutenden Bühnen der Welt, wurden vom Publikum verehrt, von Komponisten umworben, von großen Dirigenten geschätzt; ihre Gesangskunst ist, wie jene Carusos, auf etlichen Schallplatten dokumentiert. Dennoch sind ihre Namen nicht Teil des kollektiven kulturellen Gedächtnisses geworden, während selbst in der Gegenwart Menschen, die nie eine Opernaufführung besuchen und der sogenannten Hochkultur fernstehen, etwas mit dem Namen Caruso verbinden – den gleichnamigen ...
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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: I divini, Seite 111
von Thomas Seedorf
Wir kennen diese Frau, ihr Leiden, ihre Einsamkeit. Und doch erstaunt die Drastik, mit der Barrie Kosky Katja Kabanowa in seiner Salzburger Festspiele-Inszenierung in den Vordergrund rückt und wie getrieben die Titelfigur in Janáčeks Oper ist. «Fast obsessiv rauft sich Corinne Winters (die uns, wie schon in der Genfer «Jenůfa», erneut mit ihrem enormen...
Sir Georg Solti erinnerte sich: Schon 1947 habe er als Mittdreißiger an der Bayerischen Staatsoper einen «Tristan» dirigiert – auswendig. Der greise Richard Strauss äußerte sich im Gespräch danach höchst anerkennend, auch über die Gedächtnisleistung, um dann überraschend zu fragen: Im H-Dur-Schluss, dem klanglich «schönsten» Akkord der Musikgeschichte, spielten...
Frau Meier, von Ingeborg Bachmann ist der Satz überliefert: «Aufhören können, das ist nicht eine Schwäche, das ist eine Stärke.» Mezzosoprane scheinen darin gut zu sein, drei Namen mögen genügen: Janet Baker, Brigitte Fassbaender, Christa Ludwig.
Ich sehe es so: Generell fällt es Männern schwerer, aufzuhören. Sie identifizieren sich mehr über ihren Beruf als...
