Kunsthandlungen in Weiß
Im alten Japan war Weiß die Farbe des Todes und der Trauer. Bei Romeo Castelluccis neuester Kunstanstrengung, die sich an die Inszenierung von Bachs «Matthäus-Passion» wagt, erinnert das allgegenwärtige Weiß weniger an buddhistische Trauerrituale als vielmehr an jenes Weiß, das in Galerien und Museen als Hintergrund der Präsentation von (zeitgenössischer) Kunst dient. Der White Cube ist längst selbst zum Signum der Kunst geworden, denn er objektiviert die in ihm positionierten Objekte und adelt sie durch seine kühle Zurückhaltung.
Der Hamburger Intendant Georges Delnon kennt sich besser als die meisten seiner Kollegen mit den Usancen der aktuellen Kunst und ihren ästhetischen Ritualen aus. Schließlich kommt er aus Basel, wo mit der Art Basel die hippste Kunstmesse der Welt alljährlich Furore macht, und hat dortselbst mit der Messe das Format «Art on stage» erfunden. Nicht zufällig konzipierte er natürlich auch Castelluccis «Matthäus-Passion» bewusst nicht fürs Opernhaus am Gänsemarkt, sondern zog für nur drei Aufführungen in die Deichtorhallen, Hamburgs fortschrittlichsten Kunst-Ort.
Diese markanten Bezüge zur Gegenwartskunst sind gewollt. Vieles, was an diesem pausenlosen ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Regine Müller
Die Komponistenprominenz gibt sich die Ehre: Aribert Reimann und Manfred Trojahn betreten das Landestheater Detmold, um einer Uraufführung beizuwohnen. Sie erleben eine Zeitreise zurück in die Welt um 1900. Der 1979 geborene Alexander Muno hat Gabriele d’Annunzios Drama «Sogno d’un mattino di primavera» (Traum eines Frühlingsmorgens) mit vielen Anklängen an den...
War im 19. Jahrhundert das Kunstlied noch eine jener musikalischen Gattungen, der sich nahezu alle Komponisten mit stetem Eifer und großer Resonanz widmeten, kam es in den 1920er-Jahren zusehends aus der Mode. Der radikale gesellschaftliche Wandel, das Verschwinden des bürgerlichen Salons wie auch der Aufbruch in neue stilistische Sphären jenseits der Romantik...
Giuseppe Verdi, nach dem «Falstaff» als größter lebender Komponist angesprochen, soll darauf geantwortet haben: «Lassen Sie den großen Komponisten beiseite, ich bin ein Theatermann!» Als Carlo Maria Giulini und Claudio Abbado, zwei der profiliertesten Verdi-Dirigenten ihrer Generation, «Rigoletto» (1979) respektive «Un ballo in maschera» (1980) für die Deutsche...
