Kunsthandlungen in Weiß
Im alten Japan war Weiß die Farbe des Todes und der Trauer. Bei Romeo Castelluccis neuester Kunstanstrengung, die sich an die Inszenierung von Bachs «Matthäus-Passion» wagt, erinnert das allgegenwärtige Weiß weniger an buddhistische Trauerrituale als vielmehr an jenes Weiß, das in Galerien und Museen als Hintergrund der Präsentation von (zeitgenössischer) Kunst dient. Der White Cube ist längst selbst zum Signum der Kunst geworden, denn er objektiviert die in ihm positionierten Objekte und adelt sie durch seine kühle Zurückhaltung.
Der Hamburger Intendant Georges Delnon kennt sich besser als die meisten seiner Kollegen mit den Usancen der aktuellen Kunst und ihren ästhetischen Ritualen aus. Schließlich kommt er aus Basel, wo mit der Art Basel die hippste Kunstmesse der Welt alljährlich Furore macht, und hat dortselbst mit der Messe das Format «Art on stage» erfunden. Nicht zufällig konzipierte er natürlich auch Castelluccis «Matthäus-Passion» bewusst nicht fürs Opernhaus am Gänsemarkt, sondern zog für nur drei Aufführungen in die Deichtorhallen, Hamburgs fortschrittlichsten Kunst-Ort.
Diese markanten Bezüge zur Gegenwartskunst sind gewollt. Vieles, was an diesem pausenlosen ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Regine Müller
Anfang Mai gab es in Freiburg ein kleines Festival. Vier Abende. Auf dem Programm: Kurtág und Webern, Messiaen und Bernd Alois Zimmermann, Varèse und, zum Schluss, der c-Moll-Stoß von Beethovens «Fünfter». Eine Wahl mit Bedacht. Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, wie es seit einer Weile etwas holprig heißt, feierte Geburtstag: 70 stolze Jahre....
Seit Uwe Eric Laufenberg am Staatstheater Wiesbaden den Ton angibt, ist Ingo Kerkhof dort ein begehrter Mann. In der aktuellen Saison stehen allein drei Musiktheaterproduktionen des Berliner Regisseurs auf dem Spielplan: Glucks «Orfeo et Euridice» (als Wiederaufnahme), das jüngste Bühnenstück von Helmuth Oehring (siehe oben) und Händels «Alcina». Wobei er der 1735...
Ein halbes Jahrhundert dauerte es, bis Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» nun auch Wiesbaden erreicht haben. Das in seinen inneren Dimensionen riesige, aber bis ins winzige Detail durchstrukturierte Bekenntniswerk eröffnete die Maifestspiele 2016. Uraufgeführt wurde es bereits 1965. Ein klares Signal des neuen Intendanten Uwe Eric Laufenberg. Ein überfälliges...
