Kontrollierte Ekstase
Giuseppe Verdi, nach dem «Falstaff» als größter lebender Komponist angesprochen, soll darauf geantwortet haben: «Lassen Sie den großen Komponisten beiseite, ich bin ein Theatermann!» Als Carlo Maria Giulini und Claudio Abbado, zwei der profiliertesten Verdi-Dirigenten ihrer Generation, «Rigoletto» (1979) respektive «Un ballo in maschera» (1980) für die Deutsche Grammophon im Studio aufnahmen, wollten sie von einem Primat des Theaters über die Musik nichts wissen, huldigten vielmehr einem perfekten, doch auch etwas sterilen Schönklang.
Geradezu konträr jedoch war ihr interpretatorischer Ansatz, als sie dieselben Werke auf die Bühne brachten. Giulinis «Rigoletto» in Rom (1966) und Abbados «Ballo» in Wien (1986), deren Mitschnitte jetzt offiziell auf den Markt gekommen sind, werden dem Theatermann Verdi in vollem Umfang gerecht und stellen deshalb eine Alternative zu den kommerziellen Einspielungen dar.
Giulini, der sich immer wieder über den Schlendrian an den italienischen Opernhäusern beklagt hatte und ihnen kurz nach dem «Rigoletto» den Rücken kehrte, zeigte sich hier zum letzten Mal als Vollblutdirigent des Musikdramas. Kleine Unebenheiten bei Chor und Orchester, auch die ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Ekkehard Pluta
Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und...
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