Künstler und Publikum auf Händen tragen

Andreas Mölich-Zebhauser, Intendant des Festspielhauses Baden-Baden, erklärt, wie man Oper privatwirtschaftlich zum Ereignis macht

Opernwelt - Logo

Herr Mölich-Zebhauser, wieviel Ihrer Arbeitszeit widmen Sie der Akquisition von Fördergeldern, wieviel der Kunst?
Als ich vor acht Jahren in Baden-Baden anfing und das Haus rote Zahlen schrieb, musste ich zwei Drittel meiner Zeit finanziellen Dingen widmen. Heute sind es nur noch vierzig Prozent.

Ist es nicht frustrierend, wenn man dauernd reiche Menschen umwerben muss, um einen Kulturbetrieb am Laufen zu halten?
Nein, überhaupt nicht. Ich interessiere mich nämlich wirklich für Menschen, ihre Biografien und ihre Geheimnisse.

Ich frage: Wie sind Sie so erfolgreich geworden? Wo stecken Brüche in ihrem Leben? Wo haben Sie Mut gehabt? Erben sind unter solchen Aspekten weniger interessant als Leute, die sich selbst etwas aufgebaut haben.

In welche Typen würden Sie Ihre Förderer einteilen?
In Firmen, die Sponsoring betreiben, und private Spender bzw. Mäzene. Bei den Firmen geht es weniger, wie oft behauptet, um Imagegewinn, sondern um die Möglichkeit, Mitarbeiterkultur zu entwickeln, und um die Kontaktpflege zu anderen Firmen. In den Foyers unseres Festspielhauses werden nicht die gro­ßen Geschäfte gemacht. Aber wenn ein Firmenchef eine Woche nach einer Aufführung mit seinem Kollegen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 7
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Goldmark: Die Königin von Saba

Kleine Opernhäuser leben im Spagat. Einerseits sind sie für kulturelle Basisversorgung zuständig, sprich, sie müssen ihrer Stadt samt Umland früher oder später eine «Bohème» anbieten, und auch ein Musical wird gelegentlich erwartet. Andererseits brauchen sie als Legitimation überregionales Echo. Das klappt eigentlich nur durch konstante Arbeit am Niveau und durch...

Zwischen Chip und Skriptorium

Das diesjährige «Internationale Festival für neues Musiktheater» in München war eine Jubiläums-Biennale. Nicht nur wurde mit mehreren Konzerten und ­einem Symposion der Gründer und langjährige Leiter Hans Werner Henze aus Anlass seines 80. Geburtstags am 1. Juli gefeiert. Auch der künstlerische Ertrag konnte sich sehen und hören lassen: zwei he­raus­ragende,...

Aus der Flüstertüte

Man kommt nicht sofort darauf. Zu abstrakt klingt beim ersten Hinhören, bei der ersten Begegnung der Titel des neuen Stücks von Ruedi Häusermann, zu intellektuell überhöht, als dass man sogleich auf die Idee verfiele, es könnte sich bei «Gewähltes Profil: Lautlos» ganz und gar profan um eine Einstellung handeln, die sich auf den meisten Mobiltelefonen findet. Eben...