Künstler lieben
Herr Geyer, was ist der Unterschied zwischen einem typischen Wiener und einem typischen Österreicher?
Der typische Wiener ist behaftet mit der Lust an der Intrige. Der typische Österreicher ist aber auch nicht nur freundlich.
Und was sind Sie selbst?
Ich bin vermutlich kein typischer Österreicher, weil diese typisch österreichische Gemütlichkeit nicht meins ist.
Ich bin schon sehr ziel- und leistungsorientiert und habe das Theater an der Wien nie nur als eine Vergnügungslokalität betrachtet, sondern immer als einen Ort begriffen, an dem die Kunst ganz seriös versucht, Qualität zu zeigen.
Was ja sehr häufig gelungen ist und dem Haus einen Platz in der ersten europäischen Opernliga beschert hat. Ihrer Vita zufolge sind Sie aber ein echtes Wiener Kind. Haben Sie das Europäische gewissermaßen dialektisch entwickelt? Oder ist Ihnen das in die Wiege gelegt worden, weil Sie weder ein typischer Wiener noch ein typischer Österreicher sind?
Sie könnten auch sagen, dass ich es nie geschafft habe, aus Wien herauszukommen (lacht). Und das ist wirklich interessant. Ich habe es nämlich oft genug versucht, aber stets dann, wenn die Chance dazu bestand, sei es in Graz, Berlin oder Bregenz, war das ...
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Opernwelt August 2021
Rubrik: Interview, Seite 26
von Jürgen Otten
«Mazeppa» – ein Werk über die Ukraine und Russland? Im Bolschoi Theater? In der heutigen Zeit? Wo wir uns täglich schämen wegen der Annexion der Krim, des Kriegs in der Ostukraine und vielem anderen mehr? Eigentlich geht das Bolschoi Theater Bühnenwerken dezidiert politischer Natur aus dem Wege. Warum aber setzt es gerade diese Oper Tschaikowskys aufs Programm, die...
Stimmgewaltig
Dass ihr Sopran Mauern zu sprengen imstande ist, wusste man spätestens seit ihrer Médée in Wexford 2017. Dass Beethovens Leonore, Verdis Heroinen und die schweren Wagner-Partien eine dominierende Rolle spielen würden, eigentlich auch. Doch Lise Davidsen, die bei den Bayreuther Festspielen die «Walküren»-Sieglinde singen wird, kann noch viel mehr. Ein...
Der Abschied war, im ursprünglichsten Sinne des Wortes: fürstlich. Gefeiert wurde er mit einer Gala, einem opulenten Bildband (dessen Titel «Zur Freude und Erhebung» in überschaubarer Bescheidenheit die in goldenen Lettern auf dem Giebel des Meininger Theaters verewigte Huldigung an Herzog Georg II. zitiert, der den Musentempel vor gut 200 Jahren gegründet hatte)...
