Das monatliche Opern-Sonett: Fidelio

Opernwelt - Logo

Ja selbst die Dümmsten, ja, die wirklich Doofen,
Die wissen: Hier, der Dings aus Bonn, der Typ
Der taub war und der deshalb ganz schön trüb
Gelaunt war und viel Zeit vor’m Zimmerofen

Verbrachte und den Rest der Zeit die Strophen
Der neunten Symphonie nach Schiller schrieb
Und dabei immer nur Zuhause blieb,
Ganz heiß gar auf stets neue Katastrophen!

Wie hieß der noch? Und kam der aus Eindhoven?
Man, nein! Das hatten wir doch schon: aus Bonn!
Der Kerl, der seinen Neffen gern umklomm!
Tja, Liebe kann man sich halt nich

t erkoofen!

Der Mann hat alle Menschen nur gehasst!
Und seine einz’ge Oper spielt im Knast.


Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Arno Lücker

Weitere Beiträge
Personalien, Meldungen 1/2023

JUBILARE

In trüben Tagen, nämlich exakt zehn Tage vor Hitlers «Machtergreifung» (also am 20. Januar 1933), wurde Barbara Scherler in Leipzig geboren. Scherler studierte Gesang in Berlin und feierte 1959 mit 26 Jahren ihr Debüt an der Staatsoper Hannover, wo sie den Cherubino in Mozarts «Le nozze di Figaro» gab. Nach ihrem Engagement im Ensemble des Hauses in der Niedersächsischen...

Fatale Begierde

Unter den Zahlen ist sie, wenn schon nicht die allein glückseligmachende, so doch zumindest die mit dem größten magischen Potenzial. SiebenTage dauerte die Schöpfung, sieben Weltwunder sind verzeichnet, auf sieben fette folgen (der Josefsgeschichte zufolge) stets sieben magere Jahre, auch die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz sprechen eine deutliche (biblische) Sprache; und selbst die...

Rosa Infantin im Raum

Vor genau 100 Jahren präsentierte die Oper Köln unter dem damaligen Musikchef Otto Klemperer die Uraufführung von Alexander Zemlinskys herrlich gemeinen Einakter «Der Zwerg» – in Kombination mit Igor Strawinskys «Petruschka»-Ballett (Paris 1911). Aus diesem Anlass konnte man heuer beide Werke in eben jener Anordnung in Köln erleben. Schön gemachte Videos weisen schon vor Beginn des...