Krieg und (kein) Frieden
Erinnerungen – manchmal sind sie so federleicht wie ein Schmetterling, manchmal tückisch wie ein Hinterhalt. Und nicht selten schleichen die Boten des Unbewussten, denen Marcel Proust in seinem epischen Roman «A la recherche du temps perdu» das vielleicht beeindruckendste literarische Denkmal gesetzt hat, weil er sie zur Kunstform selbst stilisierte, so heimlich, still und leise durch die Türen, dass man kaum anders kann als zu erschrecken, wenn sie plötzlich, maliziös grinsend, vor einem stehen.
Don Alvaro geschieht dies zu Beginn des Italien-Akts von Verdis «La forza del destino». Gerade haben hinter der Szene betrunkene Spieler ausgelassen und zynisch die Grausamkeit des Schicksals bespöttelt, da wird er überwältigt – zunächst von einem kleinen Klarinettenkonzert, dessen ätherisch anmutiges Thema nie wieder aus seinem Gedächtnis verschwinden wird, sodann von seinen eigenen Gefühlen. Und die sind alles andere als lieblich: «La vita è inferno all’infelice», singt Alvaro im Allegro- Rezitativ, um im darauffolgenden Allegro moderato über schwer atmenden, meist mollgetrübten Dreiklängen der Fagotte, die tieftraurige Geschichte seiner Eltern zu erzählen, bis es schließlich, die ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten
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JUBILARE
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