Kreatives Chaos

Fehler zugeben, Widersprüche aus­halten, blinde Flecken ausleuchten: Die erste von Stefanie Carp konzipierte Ruhrtriennale hatte ein turbulentes Vorspiel und einen nachdenklichen Grundton

Ganz schön ungemütlich, die «Zwischenzeit». Dass ihnen der Wind der Gegenwart so heftig ins Gesicht wehen würde, hatten Stefanie Carp und ihr Team wohl kaum gedacht, als sie das Wort zum programmatischen Motto der Ruhrtriennale erklärten.

(Neo-)Kolonialismus, Reichtum und Armut, Migration, Nord-Süd-Konflikt, Nationalismus, Erosion demokratischer Strukturen: Die großen, drängenden Fragen unserer global vernetzten, unübersichtlichen Lebenswelt will Carp während ihrer dreijährigen Intendanz in den ehemaligen Industriebauten des Reviers zur Diskussion stellen – mit den ästhetischen Mitteln der zeitgenössischen Künste. Und dabei den eurozentrischen Blick auf die Problemlagen korrigieren – mit Künstlerinnen und Künstlern aus Afrika, aus Südamerika und dem Orient. All das jenseits vertrauter Genregrenzen, in forschend interdisziplinären Theater-Tanz-Musik-Projekten.

Und dann das: Weil eine schottische Hip-Hop-Band (Young Fathers), die in der Bochumer Turbinenhalle ein Konzert geben sollte, die Israel-feindliche BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) unterstützt, wurden Carp unversehens antisemitische Neigungen unterstellt. Armin Laschet, CDU-Ministerpräsident des Landes ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Albrecht Thiemann

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