Kreativer Eigensinn
Mariandl mag net. «Nein, nein, i trink kein Wein», ziert sich die Kammerzofe alias Octavian im dritten Akt von Strauss’ musika -lischer Komödie «Der Rosenkavalier» vor Baron Ochs auf Lerchenau, der sie betrunken (und damit willig) machen möchte. Die Dirigentin am Zürcher Opernhaus, das soeben von dieser Zeitschrift zum «Opernhaus des Jahres» gekürt wurde, darf sich dagegen auf keinen Fall als Abstinenzlerin aus -geben.
Einen Tag nach der zweiten Aufführung des «Rosenkavaliers» in Zürich erhielt Joana Mallwitz im nicht weit entfernten badischen Neuenburg am Rhein den diesjährigen Gutedelpreis – 225 Liter bekömmlichsten Weißwein im Eichenfass, abgefüllt auf 300 Flaschen. Die Markgräfler Gutedelgesellschaft e. V. verleiht den Preis jährlich für «öffentlich wirksamen, kreativen Eigensinn», womit die Juroren nicht nur Mallwitz’ künstlerisches Selbstverständnis als Kommunikatorin und ihren Vorbildcharakter für junge Musikerinnen meinen, sondern auch ihren beherzten Widerspruch gegen die Einsparungen im Berliner Kulturleben.
Voller «kreativem Eigensinn» steckt auch ihr «Rosenkavalier» in Zürich. Als Dirigentin dürfe sie sich hier nicht ausbreiten, sondern müsse immer vorantreiben, ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Lotte Thaler
Der Grundgedanke, den Nils C. Kumkar in seinem kürzlichen erschienenen Buch «Polarisierung» formuliert, entbehrt nicht eines gewissen dialektischen Charmes. Polarisierung, so der an Bremens Universität lehrende Soziologe, sei a priori nichts Verwerfliches, sondern, ganz im Gegenteil, wesentliche Ingredienz einer funktionierenden Demokratie. Kumkar sieht...
Man(n) trägt Perücke. Irgendwann im ersten Akt lässt sich auch der Kritiker von einer Mitwirkenden eine solche andienen: Modell mondäne Allongeperücke, ins Horizontale gerückt. Jetzt gehört man also dazu, zu Mahagonny, dieser seltsamen Stadt, in der man schon auf dem Vorplatz des Theaters Basel begrüßt wurde: «Willkommen in Mahagonny, willkommen daheim». Daheim?
Ir...
Zunächst ist man skeptisch. Im kleinen Luzerner Theater soll es eine große Britten-Oper geben? Mit farbig-fülliger Orchestrierung und einem ganzen Dorf auf der Bühne? Und tatsächlich ist der Einstieg gewöhnungs -bedürftig: Arg reduziert sind Streicher und Bläser, zu sehen gibt es nur eine Mauer. Doch bald schon beginnt ein musikalisches Wunder: Jonathan Bloxham...
