Kreativer Eigensinn
Mariandl mag net. «Nein, nein, i trink kein Wein», ziert sich die Kammerzofe alias Octavian im dritten Akt von Strauss’ musika -lischer Komödie «Der Rosenkavalier» vor Baron Ochs auf Lerchenau, der sie betrunken (und damit willig) machen möchte. Die Dirigentin am Zürcher Opernhaus, das soeben von dieser Zeitschrift zum «Opernhaus des Jahres» gekürt wurde, darf sich dagegen auf keinen Fall als Abstinenzlerin aus -geben.
Einen Tag nach der zweiten Aufführung des «Rosenkavaliers» in Zürich erhielt Joana Mallwitz im nicht weit entfernten badischen Neuenburg am Rhein den diesjährigen Gutedelpreis – 225 Liter bekömmlichsten Weißwein im Eichenfass, abgefüllt auf 300 Flaschen. Die Markgräfler Gutedelgesellschaft e. V. verleiht den Preis jährlich für «öffentlich wirksamen, kreativen Eigensinn», womit die Juroren nicht nur Mallwitz’ künstlerisches Selbstverständnis als Kommunikatorin und ihren Vorbildcharakter für junge Musikerinnen meinen, sondern auch ihren beherzten Widerspruch gegen die Einsparungen im Berliner Kulturleben.
Voller «kreativem Eigensinn» steckt auch ihr «Rosenkavalier» in Zürich. Als Dirigentin dürfe sie sich hier nicht ausbreiten, sondern müsse immer vorantreiben, ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Lotte Thaler
Fürst Leopold II. von Lippe war ein Theaterenthusiast. Noch zierte kein würdevoller Säulenportikus die Hauptansicht seines neuen Hoftheaters, auch die Außenwände standen unverputzt. Doch hob sich auf Befehl des Landesherrn am 8. November 1825 der Vorhang zur Einweihung des Hauses mit Mozarts «La clemenza di Tito». Das Auditorium im hochklassizistischen Musentempel...
Auf dem Cover seiner Einspielung des «Idomeneo» scheint Simon Rattle – mit geschlossenen Augen, Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zur Geste des «Superb!» geformt – verzückt ein delikates Gericht zu verkosten. Assoziativ denkt man an Wolfgang Hildesheimers Befremdung (in seiner Mozart-Biographie), dass am Hofe des Salzburger Erzbischofs «die Musik – gleichsam...
Ein riesiger rosa Elefant stolziert vor unserem inneren Ohr durch die Oper von Oslo. Das Tier trägt den Namen «Richard Wagner». Das Geheimnis hinter der Erscheinung hat zunächst mit Antonín Dvořáks Märchenoper «Rusalka» zu tun, deren wunderbare Musik in sanft romantischem Glühen von der Sehnsucht spricht. Es hat aber auch mit dem Chefdirigenten des Hauses zu tun:...
