Diseusenkunst
Keine Illusionen mehr zu haben und dabei weder zu verzagen noch zynisch zu werden; das Schlechte nicht cool zu finden und das Gute nicht lächerlich zu machen; von der Welt und den Menschen nicht viel zu erwarten, aber trotzdem den Anstand zu wahren – das ist Kunst. Und es war im Besonderen die Kunst des musikalischen Kabaretts im Berlin der Weimarer Republik, die Kunst von Mischa Spoliansky, Kurt Tucholsky, Rudolf Nelson und Friedrich Hollaender. Sie ist, wie ihre Umgebungskultur, heute längst ein Teil des Stadtmarketings in Berlin geworden.
«Schon wieder gold’ne Zwanziger – geht’s nicht noch ’n bisschen ranziger?», würde Hollaender heute dichten, wenn er sähe, was in den Souvenirshops und Kleinkunstetablissements verramscht wird.
Nun hat sich auch die Schauspielerin Dagmar Manzel gemeinsam mit dem Pianisten Michael Abramovich und dem Orchester der Komischen Oper Berlin an Hollaenders Lieder aus dem Kabarett «Schall & Rauch», Tonfilmen der 30er- bis 40er-Jahre und der Revue «Futschikato» von 1961 gewagt und damit an der Komischen Oper ihrem Publikum einen Abend beschert, der alle Bedenken im Nu entkräftete. Manzel kann diese Lieder singen, ohne sich bei den berühmten ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Jan Brachmann
Im Parterre des großen Schallplattengeschäfts in Wiens Kärntnerstraße wirbt Anna Netrebko mit einem auffälligen Poster für ihr Verdi-Recital. Als wir interessehalber oben im zweiten Stock, in der Klassik-Abteilung, nach dem kürzlich erschienenen Verdi-Album von Krassimira Stoyanova fragen, ernten wir bedauerndes Schulterzucken: Es sei leider nicht vorrätig....
Der Ungar Jenö Hubay (1858-1937) ist heute nur noch Geigern durch seine virtuosen Violinkompositionen ein Begriff. Braunschweig hat jetzt seine 1923 in Budapest uraufgeführte, zuletzt 1936 in Wien und Chemnitz gespielte Oper «Anna Karenina» ausgegraben. Hubays Librettisten Alexander Góth und Andor Gabór (der später als kommunistischer Schriftsteller in der Weimarer...
Es ist zwar nicht sicher, ob sie in der Form überhaupt wahr ist. Aber die Story ist einfach zu gut, um sie nicht zu erzählen. Im September 1951 spielte der spätere Beat-Autor William S. Burroughs – dessen Haupt zu diesem Zeitpunkt allerdings mehr drogenvernebelt als ruhmbekränzt war – in einer Wohnung über der berühmten Bounty-Bar in Mexico City mit einer Pistole...
