Kostümschau
Am rechten Bühnenrand macht sich’s ein Tenor gemütlich. Schraubt die Thermoskanne auf, trinkt mit der Kollegin Tee, stört sich nicht am Filmteam, das im kalten Arbeitslicht seine Gerätschaften aufbaut. Und erst recht nicht an Dirigent Kent Nagano, der, bereits befrackt, zur letzten Besprechung auf die Bühne eilt. Maurice Ravels «L’Enfant et les sortilèges» als Set-Besuch, so dass wir teilhaben können am Werden dieses Märchenwunderwerks, das könnte als Idee schon einleuchten.
Doch der polnische Regisseur Grzegorz Jarzyna belässt es an der Bayerischen Staatsoper bei der bloßen Behauptung. Die Filmchiffre wird nicht weitergeführt, viel schlimmer: Der bezaubernde Vierzigminüter ertrinkt im Ausstattungsstrudel. Dabei hätte dieser Doppelabend beste Voraussetzungen geboten. Denn Ravels Einakter und Alexander Zemlinksys «Der Zwerg» sind tatsächlich enger verwandt, als es die Spielplan-Gestalter bislang wahrhaben wollten. Hier der böse Bub, der Tiere quält und doch einsichtig wird. Und dort ein Buckliger, der sich in eine mit ihm spielende Prinzessin verliebt, um schließlich an der Realität seiner Existenz zugrunde zu gehen. Geschichten über Reifeprozesse sind das, über Selbstbewusstwerden ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Markus Thiel
Mister Turnage, Sie haben vor rund zehn Jahren einen kurzen Beitrag für «Opera» geschrieben...
Wirklich? Daran kann ich mich gar nicht erinnern...
Die «Erzähl»-Oper, hieß es da, sei ein Auslaufmodell, eine Sackgasse. Viele dachten damals, «The Silver Tassie» nach Sean O’Casey sei die letzte Turnage-Oper. Jetzt haben Sie es doch wieder gemacht...
Das ist schon...
«Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken können, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche», ätzte Karl Kraus. Jeder Schreibende mag sich bei dieser Attacke zunächst an die eigene Nase fassen. Doch nirgendwo passt sie treffender als auf die Autobiografien prominenter Mitbürger, wo Geschwätzigkeit oft als klug-charmante Plauderei verkauft...
Der Wald steht schwarz und schweiget keineswegs. Kleine Lichtschneisen durchzittern sein dichtes Laub, geben uns ein Gefühl für seine prächtigen Baumkronen. Aus dem Geäst kommen Fanfaren und Stimmen. Menschen? Naturwesen eher, bemoost am ganzen Körper oder mit Blättern überzogen. Oder doch Soldaten mit Grasbüscheln auf den Helmen? Schwer zu sehen, schwer zu sagen....
