Im Heute verloren

Mannheim: Tschaikowsky: Eugen Onegin

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Tschaikowskys «Eugen Onegin» verlangt eine genaue Kenntnis der sozialen, psychologischen, gesellschaftlichen und politischen Lebensbedingungen der Menschen um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Russland. Verloren in den Weiten eines unendlichen Landes, Rückständigkeit bei der anderswo rasch sich entwickelnden Industrialisierung, Sehnsucht nach einer fernen Welt voller Licht und Fortschritt, sprich: Paris – das alles bedrängte und bedrückte die Menschen im Zarenreich, trieb sie in Melancholie und Verzweiflung.

In der abgeschotteten Einsamkeit flüchtete man sich in romantische Gefühle, in Romanliteratur und aufwühlende Musik. Solche Dispositionen wirken in den Figuren mit, die Puschkin in seinem «Eugen Onegin» porträtierte. Und sie spielen auch in Tschaikowskys Opernfassung dieses Romans die geheime Hauptrolle. Mit anderen Worten: Das Personal der Oper muss aus seinem Umfeld erklärt und psychologisch begründet werden. Eine nicht einfache Aufgabe, die zuletzt Peter Stein in seiner Lyoner Inszenierung plausibel gelöst hat.

Regula Gerber hat in ihrer Mannheimer Regie, die sehr gut gearbeitet und atmosphärisch dicht gelungen ist, die seelischen Befindlichkeiten der dramatis personae ...

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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Gerhard Rohde

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