Kostümfest
Gaetano Donizettis 1837 für Neapel komponierter «Roberto Devereux» wird meist als Bravourstück für Primadonnen missbraucht. In Karlsruhe drehen Yannis Thavoris (Bühne) und Mark Bouman (Kostüme) nun den Spieß um und blähen das strenge Kammerspiel zum opulenten Historienschinken auf. Die hohe, historischen Räumen nachempfundene Szene wird beherrscht von den Kostümen – 70 prunkvolle, hand- und maßgeschneiderte Unikate, davon allein vier Roben für die Königin, für deren Make-up, Hairstyling und glamourösen Perlenschmuck Gemälde der Zeit das Vorbild lieferten.
Sinnlich fassbar wird nur das Äußere, bis zum echten Kaminfeuer oder der Feder, mit der die Richter Devereux’ Todesurteil unterzeichnen.
Donizetti geht es in seiner «Oper der Emotionen» aber nicht um Historie – sie setzt nur den Rahmen der ineinander verklammerten Einzelschicksale, ist überdies weitgehend romantische Erfindung –, sondern um Liebe, heftig und (selbst-) zerstörerisch bis zum Tod. Die Figuren des Eifersuchtsdramas – die alternde englische Königin Elisabeth I., ihr junger Günstling Devereux, die Hofdame Sara Nottingham und deren Mann – sind Getriebene ihrer Leidenschaft. Elisabeth verzweifelt an der Liebe zu dem zum ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Uwe Schweikert
Frauentag, Feiertag (wenngleich nur in der Hauptstadt), Freudentag. Ob es nun Zufall war oder hellsichtige Planung – für genau diesen Tag die Premiere von Bedřich Smetanas komischer Oper «Die verkaufte Braut» anzusetzen, besaß einen gewissen Charme, zumal mit Mariame Clément eine feministisch-aufgeklärte Regisseurin ihr Debüt an der Semperoper gab. Und wieder...
Ganz verschwunden war sie nie, die abgöttische Verehrung großer Sängerinnen und Sänger. Von der Hysterie, die im 18. Jahrhundert Auftritte des Kastraten Carlo Broschi (Farinelli) oder der Primadonna Francesca Cuzzoni begleitete, bis zum Tenorissimo-Taumel um Enrico Caruso oder zur Assoluta-Verklärung der Callas im 20. Jahrhundert reicht diese frenetische...
Dass im Musiktheater Alt auf Neu trifft, ist wahrlich keine neue Erfindung. Ob zuletzt in Saarbrücken, bei einer Medea-Symbiose von Werken Luigi Cherubinis und Iannis Xenakis’ (siehe OW 3/2019), oder in Brüssel mit der Wiedererweckung von Frankensteins Monster durch den amerikanischen Komponisten Mark Grey (siehe Seite 37) – überall begegnen uns auf den Bühnen...
