Kostbare Funde
Im Jargon der Musikkritik hat der Begriff «Legende» einen festen Platz, wird dort aber meist im Stil unkritischer PR angewandt. Legenden sind Berichte von Heldentaten und Wundern, die von der Nachwelt nicht mehr überprüft werden können. Danach ist wohl Maria Malibran eine Legende, dagegen Adelina Patti nur eine halbe, denn es gibt etliche Aufnahmen der sechzigjährigen Sängerin, die ihren Gesangsstil dokumentieren, aber nichts von der Faszination ahnen lassen, die die Zwanzigjährige auf ihre Zeitgenossen ausgeübt haben muss.
Auch Caruso ist nur eine halbe Legende, denn wir wissen genau, wie er große Arien und Szenen gesungen, nicht aber, wie er in einer kompletten Rolle auf der Bühne gewirkt hat. Domingo, Pavarotti & Co. sind entgegen der Reklame alles andere als Legenden, denn sie haben vor allem in der Spätphase ihrer Karrieren so gut wie jeden ihrer Auftritte in Ton und/oder Bild festgehalten.
Wie steht es nun aber mit einer Sopranistin, die ein führender englischer Musikkritiker als «die größte Stimme, die ich je gehört habe» hervorhebt, und einem Bassisten, den Birgit Nilsson als «die schönste Bassstimme der Welt» bezeichnete, wenn von beiden Sängern praktisch keine Dokumente ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Benjamin Brittens «Gloriana» ist seine wohl am meisten unterschätzte und am seltensten aufgeführte Oper. Dabei ist dieses zugleich prachtvolle und intime, von äußerem Glanz und privatem Scheitern erzählende Stück über die alternde Königin Elizabeth I., komponiert zwischen «Billy Budd» und «The Turn of the Screw» zur Inthronisation von Elizabeth II. (1953), eines...
Grüne Hügel gibt es nicht mehr. Eine Katastrophe, wahrscheinlich ein Atomunfall, hat alles in eine Sandwüste verwandelt. Zwei riesige Erdberge bestimmen die Szenerie. Das lautstarke Geschrammel und Gewimmere einer E-Gitarre zerreißt die Stille. Figuren mit bleichen Gesichtern und schwarz umränderten Augen wühlen sich aus dem Sand heraus. Und die E-Gitarre intoniert...
Eigentlich sollte der Januar beim Staatstheater Kassel ein opernloser Monat sein, denn das provisorische «Kuppeltheater» auf dem Friedrichsplatz schloss an Silvester seine Tore, das renovierte Opernhaus aber wird erst am 3. Februar mit «Tristan und Isolde» wiedereröffnet. Doch musste das Publikum nicht auf Musiktheater verzichten. Denn die gotische Brüderkirche,...
