Italienische Moderne
Wenige Episoden aus Dantes monumentaler «Commedia» sind so bekannt wie die Erzählung von der ehebrecherischen Liebe der Francesca da Rimini und ihres Schwagers Paolo Malatesta. Mindestens zwei Dutzend Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts griffen den Stoff auf. Für die literarische Moderne hat jedoch keine Oper so viel Gewicht wie die 1914 in Turin unter Toscanini uraufgeführte «Tragedia» Riccardo Zandonais. Denn der aus dem Trentino stammende Komponist vertont den (radikal gekürzten) Text des dekadenten Literatur-Papstes Gabriele D’Annunzio als «Literaturoper».
Zandonai greift mit Anklängen an Wagner die intertextuellen Verweise auf dessen «Tristan» in D’Annunzios Versdrama auf. Mit subtilem, Richard Strauss und Claude Debussy verpflichtetem Klangzauber bringt er die schwül-erotischen und dumpf-gewalttätigen Höhepunkte des Dramas regelrecht zur Explosion. Überdies mischt er mit imaginärer «Alter Musik» – unter Einsatz einer Viola pomposa und einer Laute – weitere preziöse Klangfarben hinzu.
Der in Freiburg im Breisgau entstandene Mitschnitt zweier konzertanter Aufführungen vom Juli 2013 (siehe OW 10/2013) fügt der durchaus ansehnlichen Diskografie dieser Oper (mehr als ein ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Anselm Gerhard
Die Komponistenprominenz gibt sich die Ehre: Aribert Reimann und Manfred Trojahn betreten das Landestheater Detmold, um einer Uraufführung beizuwohnen. Sie erleben eine Zeitreise zurück in die Welt um 1900. Der 1979 geborene Alexander Muno hat Gabriele d’Annunzios Drama «Sogno d’un mattino di primavera» (Traum eines Frühlingsmorgens) mit vielen Anklängen an den...
So einem Siegfried begegnet man selten. Einem, der nicht nur über den ganzen Abend stark vor-, sondern kurz vor Schluss auch noch eine Spitzenleistung hinlegt. Atemlos lauscht man da, wie Thomas Mohr seinem Rollendebüt die Krone aufsetzt. Wie er als Wagners verstrickter Erlösungsrecke am von Hagen gereichten Gegengift zum Vergessenstrank nippt und sich plötzlich...
Knapp vorbei ist auch daneben. 1921 schrieb Arnold Schönberg in einer kleinen Festschrift zum Geburtstag seines Lehrers, Freundes und Schwagers Alexander Zemlinsky: «Zemlinsky kann warten.» Warten musste dieser in der Tat: Die Uraufführung seiner Oper «Der Traumgörge» ging erst 1980, mit gut 75 Jahren Verspätung, in Nürnberg über die Bühne.
Schönberg hatte das...
