Konfektionsbarock
Im Schatten der Händel-Hits «Giulio Cesare» und «Alcina» hat es der 1733 uraufgeführte «Orlando» zu erstaunlicher Popularität gebracht. Über dreißig Inszenierungen hat die Oper um den wahnsinnigen Rittersmann allein in den letzten zehn Jahren erlebt, doch die Produktion der diesjährigen Göttinger Händel-Festspiele braucht den Vergleich nicht zu scheuen. In der heimeligen Atmosphäre des Deutschen Theaters setzt das Festival auch diesmal auf Händel im historischen Kostüm in der Regie der New Yorker Barocktheaterexpertin Catherine Turocy.
Bei Händels ernsteren Opern produzierten die Soffitten, gemalten Prospekte und Pappmachéfelsen in der Vergangenheit nur eine Mischung aus Langeweile und unfreiwilliger Komik, zu dieser mokanten Komödie passen sie ungleich besser. Eigentlich könnte hier jeden Augenblick ein Monty-Python-Sketch starten. Allzu ernst nehmen, so viel ist klar, sollte man diesen aus verschmähter Liebe rasenden Roland und sein überdrehtes Heldenpathos besser nicht. William Towers mimt mit Silberblick, Plastikharnisch und etwas krähender Höhe ohnehin wunderbar den leicht vertrottelten primo uomo. Die Kanadierin Dominique Labelle macht aus der Angelica passend dazu ...
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Herr Jenis, die Partie des Renato in Verdis «Un ballo in maschera» zählt zu den wichtigen Rollenporträts Ihres Fachs. Da liegt es auf der Hand, Sie mit anderen Baritonen zu vergleichen. Wollen wir?
Nein, wir wollen nicht. Vergleiche nützen nichts.
Das heißt, Sie vergleichen sich selbst nicht mit anderen herausragenden Stimmen, nach dem Motto: Denen komme ich...
Kein Bühnenwerk Hans Werner Henzes ist geeigneter, die katalysatorische Rolle seines Schaffens im zeitgenössischen Kunstbetrieb fühlbar zu machen, als die 1966 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Opera seria «Die Bassariden». Noch 42 Jahre später zeigt die Münchner Neuinszenierung, wie es um das Stück und seine Wirkung bestellt ist – besonders dank einer...
Schon der Beginn der Oper klingt verheißungsvoll: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentiert sich unter der Leitung von Bertrand de Billy vom ersten Takt an als jener exquisite Klangkörper von geschmeidiger, in allen Belangen differenzierender Tongebung und rhythmischer Elastizität, als der er diese Aufnahme bis zum Schluss maßgeblich prägt....
