Komm, süßer Tod

Dreimal «Don Giovanni»: David Marton und Stefano Montanari skizzieren den Helden in Lyon als gebrochenen Mann, David Bösch und Stefan Soltesz in Genf als Getriebenen, Nicolas Brieger und Konrad Junghänel verschreiben ihm in Wiesbaden Beruhigungsmittel

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Søren Kierkegaard war nicht nur ein begnadeter Philosoph und ausgefuchster Menschen(schwächen)kenner, er besaß zudem eine tiefe Neigung für die Kunst, speziell die Musik. Mit Blick auf den «Don Giovanni» prägte Kierkegaard in seinem geschichtsphilosophischen opus magnum «Entweder – Oder» den Begriff des «Sinnlich-Genialen» – nicht ohne einzuschränken, die sinnliche Liebe bedeute ein Verschwinden in der Zeit, welches eben Mozarts Musik zum Ausdruck bringe.

Und gerade darin liegt die Verdammnis des Titelhelden: Jede seiner Verführungen ist im Moment ihres Gelingens bereits Vergangenheit, jeder Sieg verwandelt sich augenblicklich in die Erinnerung an diesen Sieg; Giovanni ist, auf Gedeih und (diabolisches) Verderben, dem Zwang zur Wiederholung ausgeliefert und kann doch seinem Schicksal nicht entgehen.

Mozart erkannte dies. Nicht nur spiegelt die Gattungsbezeichnung dramma giocoso den dauerhaften Umschlag von der Komödie in die Tragödie. Schon die Ouvertüre ist Signifikat dieses dialektischen Prozesses: Der Beginn dunkel-dämonisch in d-Moll, jener Tonart, die auch später, bei Verdi, Puccini et ceteris Synonym für dräuendes Ungemach ist; plötzlich die Wendung nach Dur, ins ...

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Opernwelt August 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten

Vergriffen
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