Königin im Kokon
Questa poi là conosco pur troppo. Auch uns geht es an diesem Abend im Theater an der Wien wie Leporello: Die Musik kommt uns äußerst bekannt vor, diese Ouvertüre, deren Allegro con brio der tänzelnden Achtel wir im Schlaf nachpfeifen können. Später erwarten wir eigentlich «Ah, bravo Figaro» und nicht ein Liebesdrama um die jungfräuliche Königin. Sind wir etwa im falschen Stück?
Mitnichten.
Die ansonsten abstrakt gehaltene Bühne (Alexander Müller-Elmau) präsentiert als Blickfang ein pompöses elisabethanisches Kostüm, starr und beherrschend, in das sich die Regentin zu offiziellen Anlässen zurückzieht wie in einen Kokon. Am Ende sind es mehrere davon, zwischen Haute couture und Schildkrötenpanzer changierend – die visuellen Zentren von Amélie Niermeyers Iszenierung. Von dieser später. Dass diese Oper um Elizabeth I. und ihre Liebe zum Grafen Leicester (hier «Li-tschester» ausgesprochen) die gleiche Ouvertüre hat wie der «Barbier» und noch einige andere Gemeinsamkeiten, etwa in Elisabettas Auftrittsarie und in «Una voce poco fa», ist Rossini-typisches Recycling. Allerdings kam in diesem Fall sozusagen das Huhn vor dem Ei, denn das Vorspiel zum «Barbiere di Siviglia» (Rom 1816) stellt ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Gerhard Persché
Sehnsucht: «Wohnen im Gewoge und keine Heimat haben in der Zeit». Wir denken an Rilke, als wir nun im Janáček Theater zu Brünn Kaija Saariahos «L’amour de loin» hören. Sehnsüchtige Liebe aus der Ferne war ja den Minnesängern aufgegeben – etwa Jaufré Rudel. Er lebte im 12. Jahrhundert in der Provence; seine Leidenschaft für Clémence, die ferne Gräfin von Tripoli,...
Strauss? Ist das nicht der mit den Neujahrskonzerten? Schön, dass bei uns jetzt eine Oper von dem gemacht wird. «Ariadne auf Naxos»? Gab’s noch nie in Bodø. Wo, bitte schön? Na, oben in Nordland, zwischen Saltfjorden und Landegodefjorden. Bis zum Polarkreis rauf und dann noch mal 120 Kilometer Luftlinie.
Nicht nur für den Lokalreporter aus der abgelegenen...
Tröstliche Botschaften hält Alexander von Zemlinskys «Der Zwerg» nicht bereit. Der 1922 uraufgeführte Einakter beschreibt die zynischen Herrschaftsmechanismen am spanischen Königshof des 16. Jahrhunderts, die einen Kleinwüchsigen zum Spielball der dekadenten Hofgesellschaft herabwürdigen. Der Infantin Donna Clara zum Geburtstag geschenkt, wird ihm weisgemacht, er...
