Spielverzögerung
Erst war es ein Gerücht – nach der Absage eines Gastauftritts des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks –, seit Anfang April ist es amtlich: Die Berliner Staatsoper Unter den Linden kann am 3. Oktober 2017 nicht, wie geplant, mit einer Opernpremiere wiedereröffnet werden. Lediglich eine festliche Übergabe soll es nach einer siebenjährigen Umbau- und Sanierungsphase an diesem Tag geben. Ziel sei nunmehr «eine schrittweise Eröffnung ab Herbst», erklärte Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke).
Damit ist ein weiteres Kapitel einer Geschichte aufgeschlagen, die reich an Versäumnissen und Skandalen ist. Ursprünglich sollte der Knobelsdorff-Paulick-Bau, dessen maroder Zustand 2010 zur Schließung des Hauses führte, schon 2013 wieder seine Pforten öffnen. Nachdem der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den von einer Fachjury in einem offenen Wettbewerb ermittelten Siegerentwurf kassiert hatte (nicht zuletzt auf Druck des Freundeskreises der Lindenoper), war klar, dass dieser Termin keinesfalls zu halten sein würde. Auch aus diesem Grund explodierten die Kosten. Statt der veranschlagten 239 Millionen werden Sanierung und Modernisierung am ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Jürgen Otten, Albrecht Thiemann
Liebhabern der Barockoper ist Carl Heinrich Graun kein Unbekannter. Seine Montezuma-Oper liegt seit vielen Jahren als Einspielung vor und hat mehrere Inszenierungen erlebt; für die Staatsoper Unter den Linden grub René Jacobs 1992 «Cleopatra e Cesare» aus, jene Oper, mit der das Haus 250 Jahre zuvor eröffnet worden war. Doch wer kennt schon Musik aus Grauns...
Er glaube nicht, so bemerkte Hans Zender in einem Gespräch über Aufführungspraxis und Interpretationsgeschichte, «dass ein Interpret danach streben muss, das Original zu rekonstruieren». Vielmehr müsse sich seine Tätigkeit darauf richten, «etwas neu entstehen zu lassen». Anlass für diese (scheinbar radikale) Absage an den seit Beethoven und Wagner kodifizierten...
Als Serge Dorny, Intendant der Opéra de Lyon, im Herbst 2013 von der damaligen sächsischen Kunstministerin Sabine von Schorlemmer als neuer Chef der Dresdner Semperoper präsentiert wurde, hatte er sich für das traditionsbewusste Haus und die auf ihre ruhmreiche Geschichte mächtig stolze Stadt etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine Wieder-Holung szenischer Arbeiten,...
