König Posa
Elisabetta, wie sie ihr Glück mit Don Carlo erlebt. Die französische Königstochter, wie sie dieses Glück opfert. Wie sie sich angesichts der bitteren Armut im Land zur Ehe mit Carlos Vater Filippo II., dem spanischen König, bereit erklärt. Wie sie sich aus politischer, auch sozialer Verantwortung für ihr Volk ins absehbare Unglück begibt. Freudengesänge und Triumphmarsch – und das Desaster zweier junger Menschen.
Das sah und hörte man in Straßburg und Mulhouse noch vor einem Jahrzehnt: «Don Carlos» auf Französisch, im ultralangen Original. Jetzt musste man sich’s hinzudenken.
Jetzt hieß das Werk an der Opéra national du Rhin wieder «Don Carlo», erlebte man die Mailänder Vier-Akte-Version von 1884, auf Italienisch. Giuseppe Verdis materialreichste Musiktragödie, wie sie ist, nicht, wie’s dazu kam. Robert Carsens Inszenierung zeigt Menschen, die ihre Geschichte mit sich tragen, an ihrer bedrückten, allenthalben belauerten Gegenwart leiden, Charaktere, die durch sie geprägt sind. Kein Glück, nirgends.
Radu Boruzescus Bühne: Spanien als Reich der Düsternis, des Grau-in-Grau. Große Räume, die die Menschen klein erscheinen lassen, Räume, die sich zum Kammerspiel, zum Dialogdrama der ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Heinz W. Koch
Am 1. Juli 1916 begannen französische und britische Streitkräfte im Somme-Gebiet eine Großoffensive gegen die deutsche Wehrmacht. Doch schon am selben Abend waren fast 20.000 der britischen Soldaten gefallen. Der Kampf tobte bis Mitte November, ehe er, weitgehend ergebnislos, abgebrochen wurde. Innerhalb weniger Monate kamen auf beiden Seiten der Front rund eine...
Ein Montag im Juni. Der Zuschauerraum der Münchner Kammerspiele liegt im Halbdunkel, in Reihe 8 sitzt David Marton, in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, und reibt sich die Augen. In wenigen Minuten beginnen die Endproben zu «Figaros Hochzeit», die Zeit rast, fünf Tage bleiben bis zur Premiere – und Marton kämpft gegen ein Problem, das nur die wenigsten Regisseure...
Wer oder was ist der Narr im «Wozzeck»? In Georg Büchners fragmentarisch hinterlassenen Szenen heißt er Karl und taucht öfter auf als in der Oper von Alban Berg. Die Oper braucht ihn im Grunde nur an einer, freilich zentralen Stelle des zweiten Akts: Ein Wirtshaus entstellt die Menschen zur Kenntlichkeit. Soldaten grölen von lustiger Jägerei, die Seelen stinken...
