Klingendes Aroma
Annamania, LangLanglitis – keine Seuchen, auch nicht ansteckend. Doch dahinter verbergen sich Symptome, die auf eine Erkrankung schließen lassen. Die Krankheit könnte man «Trend» nennen oder «Event». Es geht um die Kasse, und das ist durchaus legitim. Verwunderlich nur, dass sich die Symptome mittlerweile wie selbstverständlich auf eine Branche erstrecken, die sich erst seit wenigen Jahren damit infiziert hat: die Klassik.
Gemeint sind Alben mit den «Pop-Stars der Klassik» (welch abstruser Begriff!), mit jenen Musikern also, die es bis auf unsere Litfaßsäulen und in TV-Werbespots gebracht haben. Anna Netrebko hat unter dem Titel «In the Still of Night» ihren Salzburger Liederabend von 2009 mit Daniel Barenboim veröffentlicht; Plácido Domingo lässt sich von Lang Lang begleiten; Bryn Terfel leiht den «Bad Boys» der Operngeschichte seine Stimme. Zufall oder nicht: Alle drei Veröffentlichungen ziert das Gelblabel. Sie entstammen dem Hause Universal. Dort wird man nicht müde, ausgewählte Produktionen bereits im Vorfeld im Hochglanzformat zu bewerben. Da werden, auf hochwertigem Kartonpapier, Broschüren entworfen, die mit den jeweiligen Tourdaten, einem Einführungstext in drei Sprachen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
So machen’s eben doch nicht alle! Noch bevor Lorenzo da Ponte in «Così fan tutte» die weibliche Treue grundsätzlich infrage stellte, entwarf er in «Una cosa rara» ein Gegenbild: Es sei zwar sehr selten, aber es komme doch vor, dass «bellezza ed onestà» zur Synthese finden. Das gute Beispiel gibt die Bäuerin Lilla, die allen Anfechtungen zum Trotz ihrem...
Eine Nacht, die die Welt veränderte. Und eine Art Echtzeit-Oper. Die Stunden vor der Explosion der ersten Versuchsatombombe in Los Alamos, von innen betrachtet, nämlich aus der Sicht der Wissenschaftler und Militärs, die in einem Lager fieberhaft an der Realisierung ihres Projekts arbeiten. Die Texte zusammengestellt aus Originaldokumenten, kontrastiert mit...
Für Glenn Gould war Ernst Krenek eine «One-Man History of Twentieth-Century Music». In der Tat gibt es wohl keinen zweiten Komponisten, der die musikalische Moderne gleichsam in Personalunion verkörpert. Im Symposion des Berliner Konzerthauses brachte es Lothar Knessel so auf den Punkt: Krenek sei der personifizierte Zeitgeist schlechthin – ein ganzes Jahrhundert...
