Klingende Rede, beredter Klang

Schauspiel ohne Musik? Gibt es erst seit etwa 100 Jahren. Und doch: Bis heute ist die aus dem antiken Drama überlieferte Symbiose von Sprechen und Singen ein produktiver Stachel im europäischen Theater geblieben

Trompeten erschallen mit mutigem Ton und gehen, während daß verwandelt wird, in ein wildes Kriegsgetümmel über, das Orchester fällt ein bei offener Szene und wird von kriegerischen Instrumenten hinter der Szene begleitet.» Keine Frage: Friedrich Schiller wusste ziemlich genau, was er hören wollte zwischen der fünften und sechsten Szene des zweiten Akts seiner «Jungfrau von Orleans». Schließlich konnte er fest damit rechnen, dass bei allen Aufführungen ein groß besetztes Symphonieorchester im Graben sitzen und ebenso eine Bühnenmusik zur Verfügung stehen würde.

In heutigen Aufführungen bleibt dagegen nicht nur der Orchestergraben in der Regel leer. Wir haben uns auch angewöhnt, solche Regieanweisungen mit einer Selbstverständlichkeit zu überlesen, die man vor dem Hintergrund der Theatergeschichte nur erstaunlich nennen kann. Das trifft auf Regisseure und Dramaturgen ebenso zu wie auf viele Literatur-, Theater- und Musikwissenschaftler. Bis heute widmen sich vergleichsweise wenige wissenschaftliche Publikationen den musikalischen Phänomenen, die für die Autoren der Theaterstücke eine ebenso selbstverständliche wie wichtige Rolle spielten. Dabei spiegelt sich ihre Bedeutung schon im ...

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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Sprechen und Singen, Seite 68
von Michael Stallknecht

Vergriffen
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Impressum Jahrbuch 2018

59. Jahrgang, Jahrbuch 2018
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Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISBN     978-3-942120-26-5
Best.-Nr.     752970

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