Klingende Rede, beredter Klang
Trompeten erschallen mit mutigem Ton und gehen, während daß verwandelt wird, in ein wildes Kriegsgetümmel über, das Orchester fällt ein bei offener Szene und wird von kriegerischen Instrumenten hinter der Szene begleitet.» Keine Frage: Friedrich Schiller wusste ziemlich genau, was er hören wollte zwischen der fünften und sechsten Szene des zweiten Akts seiner «Jungfrau von Orleans». Schließlich konnte er fest damit rechnen, dass bei allen Aufführungen ein groß besetztes Symphonieorchester im Graben sitzen und ebenso eine Bühnenmusik zur Verfügung stehen würde.
In heutigen Aufführungen bleibt dagegen nicht nur der Orchestergraben in der Regel leer. Wir haben uns auch angewöhnt, solche Regieanweisungen mit einer Selbstverständlichkeit zu überlesen, die man vor dem Hintergrund der Theatergeschichte nur erstaunlich nennen kann. Das trifft auf Regisseure und Dramaturgen ebenso zu wie auf viele Literatur-, Theater- und Musikwissenschaftler. Bis heute widmen sich vergleichsweise wenige wissenschaftliche Publikationen den musikalischen Phänomenen, die für die Autoren der Theaterstücke eine ebenso selbstverständliche wie wichtige Rolle spielten. Dabei spiegelt sich ihre Bedeutung schon im ...
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Wer hätte das gedacht? Dass einer, um den es zeitweilig schon etwas still geworden war, der mit dem Theaterbetrieb, mit der Theaterkunst haderte, wieder zu den stärksten, markantesten Stimmen im Konzert der zeitgenössischen Opernregie zählen würde? Im Januar ist Peter Konwitschny 73 Jahre alt geworden, doch von Erschöpfung ist nichts zu spüren. Im Gegenteil – mit...
Die Inszenierungen, in denen sie auftrat, besaßen wenig oder gar keine Sprengkraft. Umso mehr durfte man sich an der vokalen Virtuosität erfreuen, die Anna Netrebko versprühte – als Maddalena di Coigny im Mailänder «Andrea Chénier», wo sie für «die einsam hohe Kunst der cremigen Phrasierung, hell-licht schwebende Spitzentöne, glühende Piani und gutturale...
Ohne Spiel wäre die Menschwerdung des Menschen undenkbar, glaubte Friedrich Schiller. Nur als homo ludens sei dieser imstande, Sinn zu stiften. Nicht als auktorialer Erzähler, der über das Gute, Wahre und Schöne verfügt, sondern als Suchender in offenem Terrain. Der spielende Mensch handelt, spricht, tanzt, singt gleichsam auf Probe, um sich zu erkennen und die...
