Kleiner Tod im Stehbett
Lachen oder weinen, quasi – bei schrägen Polkas, Walzern und Galopptiraden – innerlich mittanzen oder das Ganze politisch «kritisch» verstehen und dementsprechend für sich interpretieren? Diese Fragen, die als wesentliche (und ja nach wie vor spannungsvolle) ästhetische Ambivalenzen auf die Dichotomie der Rezeption von Dmitri Schostakowitschs Musik abzielen, kommen im Rahmen der Inszenierung von Angelina Nikonova an der Staatsoper Hamburg nicht aufs Tableau.
Schostakowitschs Frauen-Befreiungs-Mordoper «Lady Macbeth von Mzensk» aus dem Jahr 1934 hat man der russischen Künstlerin anvertraut, die als Autorin und Regisseurin vom Film kommt und nun ihr Operndebüt geben durfte. Leider verpuffen die Explosionspotenziale der einleitend formulierten Fragemöglichkeiten im lauen Mädchenwind einer, man muss es so formulieren, in jeder Hinsicht ahnungslosen Regie. Schostakowitsch wird mehr als nur missverstanden. Oder noch nicht einmal das; kein Versuch eines Zugangs, höchstens eine «hübsche» Bebilderung. Diese wiederum läuft aber am eigentlichen Geschehen dieses eigentlich nicht sonderlich schwer zu inszenierenden Stückes vorbei. So «betrachtet», wirkt die «Lady» auf grässlich äußerliche, ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Arno Lücker
Die in Leipzig lebende und arbeitende Pianistin Kyra Steckeweh, geboren 1984, spielt seit Jahren vielfältige, häufig spätromantische Werke von Komponistinnen. Und das mit sicherem Geschmack in Sachen Programmdramaturgie, immer mal wieder, in Konzerten mit Rezitation, an der Seite von Schauspielerinnen – und als Interpretin herrlich vollmundig, inbrünstig,...
Das ganze Drama ist im Grunde erzählt, noch bevor viele Worte gefallen sind. Der Schmerz, die Sehnsucht (welche nur diejenigen Menschenkinder wirklich kennen, die wissen, welches Leiden mit ihr einherzugehen vermag), der Dualismus aus Liebestäuschung und -ent täuschung, die tiefsitzende Verzweiflung, das einsickernde Gift der Rache – alles ist bereits im «Prelude»...
Ein Märchen ist’s, der Titel verrät es. Aber eines, das wohl nur diejenigen kennen, die nicht nur mit Puschkins großen Poemen «Eugen Onegin», «Pique Dame» und «Poltawa», sondern zudem mit den kleineren Schöpfungen dieses großartigen Schriftstellers vertraut sind. Wladimir Iwanowitsch Belski – jener Literat, der späterhin auch Nikolai Rimski-Korsakows Opern «Die...
