Seelensucher

Das Theater war sein Lebenselixier, der wichtigste Schauplatz auf Erden. Dort fühlte sich Jürgen Flimm wohl, selbst wenn er litt, dort gehörte er hin. Als Regisseur, als Intendant, als Textausdeuter und Musikleser. Nun ist einer der großen Nachkriegs-Regisseure im Alter von 81 Jahren gestorben. Eine persönliche Erinnerung

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Es gibt ein Foto, das zeigt ihn, wie er in einem Kornfeld steht, ein Mobiltelefon am linken Ohr, die rechte Hand leicht erhoben, so als müsse er dem imaginären Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung etwas erläutern oder als wolle er eine Mozart-Symphonie dirigieren. Der Blick ist konzentriert, hellwach, kritisch, vielleicht eine Spur angespannt.

Und wüsste man nicht, dass dieses Foto zur Jahrtausendwende im Umfeld der Bayreuther «Ring»-Inszenierung von Jürgen Flimm entstanden ist, könnte man ohne Probleme auch vermuten, Onkel Wanja stünde vor uns, der alte Grantler und Lebenssinnsucher, oder ein etwas in die Jahre gekommener Eugen Onegin.

Das Foto findet sich am Beginn des Bandes «Die gestürzte Pyramide», der seinen Titel einem Dramolett aus Flimms Feder verdankt, der Autor selbst hat es in seiner unnachahmlichen Art mit einem Text unterlegt: «Vor Hundings Hütte: Als die Winterstürme dem Wonnemonat gewichen waren. Im Reet: ein Regisseur!» Ein Regisseur, das war er in der Tat. Und einer der besten, die das deutsche Theater nach dem Zweiten Weltkrieg hervorbrachte. Doch Jürgen Flimm genügte das kaum, er besaß viele Talente. Er konnte nicht nur Stoffe durchleuchten, um sie mit ...

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Opernwelt März 2023
Rubrik: In Erinnerung, Seite 38
von Jürgen Otten

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