Wintereinsamkeit
Wäre nicht «Isolde und Tristan» der ehrlichere Titel, «Die Kameliendame» womöglich besser als «La traviata», «Die Marschallin» passender als «Der Rosenkavalier»? Darüber ließe sich streiten. Ziemlich unstrittig dürfte hingegen sein, dass der Name «Vanessa» zwar weit mehr Sexappeal als das biedere «Erika» hat, mit Blick auf die Charaktere und die Handlung von Samuel Barbers erster Oper (der noch «A Hand of Bridge» und «Antony and Cleopatra» folgen sollten) jedoch eindeutig aus einer irreführenden Taufe resultiert.
Denn diese Vanessa ist eine ältere Lady, die auf die Rückkehr eines gewissen Anatol wartet und dann, als statt des früheren Liebhabers dessen gleichnamiger Sohn eintrifft, diesen heiratet – eine mutwillige Illusionierung und seitens des viel zu jungen Gatten eine verlogene Geschichte, weil es ihm nur um Vanessas Reichtum geht. Ihre Nichte Erika hingegen verliebt sich sofort in Anatol, verbringt mit ihm eine leidenschaftliche Nacht, wird beiseitegeschoben, will sich das Leben nehmen und verliert das gemeinsame Kind. Am Ende reisen Vanessa und Anatol nach Paris, während Erika allein zurückbleibt und die letzte große Arie singt, nunmehr demselben Schicksal entgegensehend wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Volker Tarnow
Regiekunst
Vor Kurzem erst hat sie mit Donizettis «Anna Bolena» am Opernhaus Zürich einen veritablen Erfolg erzielt. Am Teatro Real in Madrid widmet sich Mariame Clément nun dem weithin unbekannten dramma per musica «Achille in Sciro» des italienischen Komponisten Francesco Corselli. Wir fahren hin
Sängerlust
Sein Ulisse war eine Wucht. Mit dieser heiken Partie in...
Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» ist inzwischen die wohl populärste, meistgespielte Barockoper. Das freche, respektlose Libretto verabschiedet die Sphäre des gestelzten Mythos und landet mit der Sex-and-Crime-Handlung aus dem alten Rom im menschlichen Alltag. Wie das «Dschungelcamp» heute zeigen uns schon Monteverdi und sein Librettist Giovanni...
Links, an der «Plaza de la corrupción», leuchten in Grün und Rot die gleichgeschlechtlichen Wiener Ampelpersönchen. Rechts versorgen drei resolute Damen vom Grill die Massen mit geistiger Nahrung, und zwar im extra populären flüssigen Aggregatzustand. Auf dem Steg, der zwischen Publikum und Graben verläuft, gehen inkognito sowohl der Stadtkommandant als auch der...
